Das Interieur des Restaurants „Eisvogel“ ist ein echtes Gesamtkunstwerk. Es gibt nur wenige Ecken und Kanten, vielmehr ist eine organische Formensprache dominant und vermittelt unmittelbares Wohlbehagen. Ihr zentrales Element ist ein mittig stehender, handgefertigter, ovaler, begehbarer Weinschrank, der von einem raffiniert gestalteten, verschiedenfarbig illuminierten Objekt überwölbt wird, und unzählige Bouteillen edler Weine ins warme Licht rückt. Seine Entsprechung erfährt der Schrank in ovalen und runden Tischen, an denen sanft geschwungene, samtige Fauteuils stehen. Viel schöner geht es nicht, dachte sich Sebastian Obendorfer, nachdem er seinen Vater vor drei Jahren als Chefkoch beerbt hatte. Dass in einem Restaurant dieser kulinarischen Klasse ein Generationswechsel ohne Qualitätsverlust einhergeht, ist staunenswert genug. Aber angesichts der Speisen, die der Junior ersinnt, genussreiche Realität. Sebastian Obendorfer kocht mit einer Wucht und Freude, die seine Disziplin, seinen Fleiß und seine Ambitionen vielleicht sogar noch übertreffen. Klassische Französische Küche ist der Ausgangspunkt seiner Gourmetreise, die aber weit über bekannte Grenzen hinausgeht und in Menüs mündet, die ein faszinierendes und virtuoses Spiel mit Texturen, Temperaturen und Aromen sind. Der unvergessliche kulinarische Genuss wird von einem optischen begleitet, der die Oberpfälzer Seenlandschaft dank der fast bodentiefen Panoramafenster näher bringt. Wenn dann noch die Sonne untergeht, wird der Raum fast überirdisch schön in goldenes Licht getaucht.