Zu Gast in der Goldene Sonne in Neuenstein
Zu Gast in der Goldene Sonne in Neuenstein
Neuenstein. Ein beschauliches kleines Städtchen in der Hohenlohe hat seit einigen Jahren eine kulinarische Perle – das erste Haus am Platze. Heiner Bohnet hat zusammen mit seiner Frau Constanza Piccolo hier die Goldene Sonne in Zeiten von Corona übernommen und trotz aller damaligen Widrigkeiten sehr zügig etabliert. Bei solch sympathischen und bodenständigen Menschen ist das für mich die logische Konsequenz.
Beide bringen jahrelange gastronomische Erfahrung mit. Ausführliche Informationen sind auf der Homepage https://goldene-sonne.com unter „Über uns“ zu finden. Eine Lektüre, die absolut zu empfehlen ist.
Seit Sommer 2025 ist Dirk Romann im Team, den wir schon aus einer früheren Station kennen. Es kommt nun immer häufiger vor, dass wir tolle Menschen an neuen Wirkungsstätten wieder treffen dürfen. Sehr bereichernd.
Das besondere hier ist, dass es jede Woche ein neues Menü gibt. Für die Karwoche wurde ein Menü ohne Fleisch offeriert. Meine sofortige Reaktion: da müssen wir hin und schon war für Karfreitag reserviert.
In einem Instagram Beitrag habe ich unlängst folgendes gelesen: „Seit 2022 steht die Goldene Sonne in Neuenstein für handwerkliche Exzellenz, warme Gastlichkeit und eine Küche, die Regionalität, französische Kochtradition und ein ausgeprägtes Nachhaltigkeitsverständnis miteinander verbindet. Heiner Bohnet arbeitet mit besten Produkten aus der Region, bezieht viele Zutaten von lokalen Erzeugern oder der örtlichen Solidarischen Landwirtschaft und setzt damit ein klares Zeichen für bewussten Umgang mit Ressourcen.“
Man hätte es nicht trefflicher formulieren können und ich will ergänzen: Auch wenn Zutaten nicht aus der Region kommen, dann setzt Heiner auf Verantwortung und Nachhaltigkeit indem er auf bspw. in Kleinbooten geangelte Fische setzt. Ich empfinde diesen bewussten Umgang mit der Umwelt toll und Heiner ist für mich damit einer der Leuchttürme in Deutschland. Ich würde es gerne zusammenfassen und sagen: Soziale Verantwortung at it’s best.
Kommen wir zum Menü — Karwoche 2026 oder drei mal drei mal drei.
Ich zitiere dazu aus dem Newsletter:
„Fisch statt Fleisch“ ist in der Karwoche kulturhistorisch kein zufälliges Detail, sondern Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von theologischer Bußpraxis zum Ende der Fastenzeit vor Ostern, der Bedeutung des Fisches innerhalb der christlichen Lehre und antiker Naturphilosophie, welche Fische als kalt und feucht ansieht im Gegensatz zu warmblütigen Landtieren, die den Menschen biologisch näher stehen. Das Ganze führte zu wirtschaftlichen Realitäten, wie etwa der Stärkung des Fischhandels, aber auch sozialen Gepflogenheiten, die sich bis heute niederschlagen – viele Vegetarier essen Fisch. Im Mittelalter stand Fleisch für Luxus und Lebensfülle und genau das sollte man in einer Zeit des Gedenkens an Leid und Tod Christi bewusst zurückstellen. Fisch war die akzeptierte "ärmere" Alternative, die gleichzeitig religiös positiv besetzt war.
Bei uns in der Sonne haben wir gerne die kulturhistorische Bedeutung im Hinterkopf, nehmen es aber eher als kulinarische Aufgabe, ein delikates Menü zu gestalten mit wertigen Fischen. Schließlich ist Fisch heute in unseren Breiten eher ein Luxusgut denn einfache Kost. Heiner Bohnet wird drei verschiedene Arten aus drei Regionen in drei unterschiedlichen Garmethoden anbieten“.
Der Einstieg
Hausgemachtes Sauerteigbrot als Bauernbrot & Wurzelbrot mit Kernen und Kräuteröl mit einer Kugel Butter. Diese war verfeinert mit Kartoffel und Orange. Das Brot von Heiner bewundere ich schon immer. Eins der besten Brote ever. Die verfeinerte Butter passte perfekt.
Ananas Tartelette gefüllt mit gehackter Ananas, Creme von Lauchzwiebelgrün und Chili – fein, leichte Schärfe, perfekt abgestimmt.
Kartoffel mit Schnittlauchemulsion & Pfeffer – Diese Kombi hatte es in sich. Eine Deluxe-Version der aus Kindertagen bekannten Salzkartoffel mit Schnittlauchquark.
Schälchen: eingelegte Austernpilze mit Meerrettichvinaigrette – tolle Säure & leicht senfig durch den Merrettich.
Zum Einstieg hat Constanza Piccolo einen alkoholfreien Cocktail entwickelt, der mit erdigen Aromen, leichten Gerbstoffen, zarter Schärfe und einem fruchtigen Abgang überrascht. Sie kocht aus Rooibos Blättern einen Espresso und mischt dazu eigenen Kurkuma-Ingwer Extrakt als auch Himbeersirup.
Amuse Bouche
Sellerie mariniert mit Orange dazu Orangenschaum, karamellisierte Sonnenblumenkerne und Thymian. Toll ausbalanciertes Amuse. Orange zu Sellerie einfach genial. Hätte nie gedacht, dass diese Kombi möglich ist.
Das Menü
Eckartsweiler Lachsforelle - gebeizt mit jungem Giersch und Salzzitronen.
Susana Balbo Signature White Blend 2023, Susana Balbo, Valle de Uco, Mendoza, Argentinien
Gebeizte Lachsforelle Salzzitronencreme & -julienne, gebratener Giersch und Kräuter aus dem eigenen Garten. Säure kombiniert mit leichten Bitternoten vom Giersch zu einem butterzarten Fisch ummantelt von einer feinen Creme. Was für ein Auftakt.
Norwegischer Skrei 'Kleinboot' - gedämpft mit Beurre Blanc und sauren Rettichen.
Burgum Novum Chardonnay 2022, Castelfeder, Südtirol, Italien
Der Fisch wurde in Kleinbooten gefischt und war von allerhöchster Gute. Perfekt gedämpft mit feinen Pfeffernoten. Dazu eine gefällige Beurre Blanc, die mit den gepickelten Rettichen Doppelpass gespielt hat.
Lobenhausener Shiitake mit Kombu-Algen-Schaum und Lauchstroh.
Elgin Pinot Noir 2021, Boschendal, Elgin, Franschhoek, Südafrika
Umami Gang - eingelegte Shiitake aus Lobenhausen, gepickelte Rote Zwiebel, Lauchstroh und einem Kombu-Algen-Schaum. Der Gang hielt was er versprach, nämlich tolles Umami mit zwiebligen Nuancen und einem schmackhaften Schäumchen.
Bretonischer Seeteufel 'petit bateau' in Butter gebraten mit karamellisierter Cuisse de Poulet und Rote-Bete-Nage
Vigna Lirano Nebbiolo d'Alba 2021, Rivetto, Piemont, Italien
Der Seetteufel wurde in Butter auf den Punkt gebraten dazu vorzüglich karamellisierter Cuisse de Poulet (de Poitou), einer Rote-Bete-Nage sowie Bärlauch als Öl & frischer Trieb und gepickelter Rote Beete. Ein in sich stimmiger Gang mit leicht erdigen Noten der Rote Bete. Toller Kontrast zum perfekten Fisch und feinen, buttrigen Aromen rund um das Zwiebelgewächs.
Käse - Eine Selektion aus Deutschland und Europa — Zweierlei Kondimente. Auswahl an Ziegen-, Schafs- und Kuhmilchkäsen aus Frankreich und Deutschland
Kondimente: Marmeladen von Quitte /Sternanis & Himbeere /Sezuanpfeffer.
Eine tolle Auswahl an verschiedenen Käsesorten mit hausgemachten Kondimenten. Dazu wurde ausgebackenes Nussbrot gereicht. Da freut sich der Käseliebhaber.
Solidarische Karotten - Haselnuss-Karotten-Kuchen mit Vanilleeis und Sauerampfer-Schaum
Rivesaltes Hors d'Age Ambré Solera 33 Jahre, Domaine Vaquer, Tresserre, Roussillon, Frankreich
Kuchen aus Karotten und Haselnüssen, geröstete Haselnüsse, Vanilleeis und ein Sauerampfer-Schaum. Der Kuchen war nach einem traditionsreichen Rezept von Michel Bras.
Toller Menüabschluss mit einem tollen „unsüssen“ Kuchen. Süße spendierten die gerösteten Haselnüsse, Cremigkeit kam vom Eis und abgerundet vom frischen, leicht säuerlichen Schaum. Mmmmmmmmmmmhh!
Der Ausklang
Macaron aus Cassis & Sezuanpfeffer | Eiskonfekt | Alfajores (argentinische Spezialität) Doppelkeks (hier mit Leinsaat) gefüllt mit Dulce de Leche | Türkischer Honig mit Cashewnuss und Sonnenblumenkernen.
Klein und fein war mein erster Gedanke. Diese diffizilen Petit Fours haben den Abend toll abgerundet. Tolle Abwechslung und jedes perfekt.
Zum Menüverlauf sind hier die vorgeschlagenen Weine der Begleitung ergänzt. Wir haben uns aus Gründen der Rotweinunverträglichkeit und Fahrtüchtigkeit für eine Flasche Weißwein entschieden. Ich wollte dennoch die Weinbegleitung nicht ungenannt lassen.
Beim Weißwein sind wir beim Roseneck Riesling GG, 2018 vom Weingut August Kessler, Rheingau gelandet. Ein toller Tropfen, nicht typisch Riesling aber trotzdem „ein“ Riesling. Für uns eine perfekte Wahl.
Zum Hauptgang gab es ein Probierschlückchen eines tollen Rotweins. Le Dernier Cri von Dorst & Bietighöfer. Ein Pinot Noir aus der Südpfalz. Lt. Internetrecherche ein Geheimtipp mit nur wenigen Flaschen. Toller Tropfen und danke für das Versucherle.
Heiner Bohnet hat uns auch bei diesem Besuch wieder einmal kulinarisch total abgeholt und ein Feuerwerk an super Gerichten abgefeuert, die alle Geschmackssinne angesprochen haben. Wirklich beeindruckend was hier Woche für Woche in dieser Abwechslung geboten wird. Heiner lässt es sich auch nicht nehmen einzelne Gänge an die Tische zu bringen. Außerdem kommt er zur Verabschiedung nochmals an jeden Tisch. Beeindruckend und leider in vielen anderen Restaurants nicht der Fall.
Constanza Piccolo schafft es zusammen mit Dirk Romann Woche für Woche zu den neuen Menüs eine vorzügliche Getränkebegleitungen zu kreieren. Und als ob das nicht reicht wird auch noch regelmäßig ein Aperitif bzw. Cocktail zur Einstimmung entwickelt. Einfach toll! Zu Dritt schafft es der Service entspannt und souverän durch den Abend zu führen.
Insgesamt ist es immer Wohlfühlen und Genießen im ersten Haus am Platze in Neuenstein. Wir sind sehr dankbar eine solche kulinarische Perle vor der Haustüre zu haben und freuen uns noch auf viele weitere Besuche in der Goldenen Sonne.