The Dutch - Casual Fine Dining in Köln
The Dutch - Casual Fine Dining in Köln
Da ich recht nah an der niederländische Grenze lebe, führt mich mein Weg für holländisches Essen normalerweise direkt ins Ursprungsland. Mitte Dezember ging es diesmal nicht nach Westen, sondern etwas weiter süd-östlich nach Köln, wo vor nicht allzu langer Zeit das neue Restaurant „The Dutch“ eröffnet hat.
Hier ist seitdem Joschua Tepner für die Küche verantwortlich, der zuvor u.a. in Düsseldorf und Köln an so renommierten (Hotel-)Adressen wie dem Dox (Hyatt Regency im Medienhafen), Breidenbacher Hof an der Kö und zuletzt im Excelsior Hotel im Herzen von Köln mit Blick auf den Dom seine Kochkünste gelernt und später in verantwortlicher Position unter Beweis gestellt hat. Nun kocht Tepner ca. 15 bis 20 Minuten außerhalb vom Zentrum in der Nähe einer anderen „heiligen“ Kölner Stätte. In Laufweite zum Müngersdorfer Stadion befindet sich „The Dutch“ in einer ruhigen Wohngegend im Stadtteil Junkersdorf.
Edles Design, gehobene Küche und verhältnismäßig niedrige Preise
Das Interior ist sehr schick, edel und strahlt trotzdem gemütliche Wärme aus.
Die fancy Bar und unterschiedliche Sitzgelegenheiten mit schimmernden Metallelementen, brasilianischem Marmor, riesigen Spiegeln und extravagantem Sitzmobiliar beeindrucken. In dem recht großen, über 100 Personen fassenden Restaurant, bleibt es den Gästen (heute) selbst überlassen, ob sie lieber im lebhafteren oder ruhigeren Teil Platz nehmen möchten.
Im „The Dutch“ verfolgt Joschua Tepner und sein Team mit gehobener und anspruchsvoller Crossover Kitchen einen etwas lockeren und nicht weniger gewagten Ansatz.
Hier erwartet die Gäste ein Mix aus holländischen Klassikern, asiatischer Fusion und lokalen Akzenten.
Verbindet man Holländisches Essen doch eher mit Fastfood-Klischees und meist ungesunden Speisen wie „Fritten und Frikandel“, ist der Name „The Dutch“ für solch ein Restaurant in Deutschland schon ziemlich mutig. Vergessen wird dabei aber zu oft die hohe Kreativität, Innovationskraft und Qualität, die niederländische Restaurants zwischen Amsterdam, Den Hag und Rotterdam (aber auch über das gesamte Land) inzwischen zu bieten haben.
Nur seltener gilt daher auch noch das holländische Sprichwort und Klischee: „Het leven is zoet, het leven is zuur, en alles komt uit de frituur.”
Und noch weniger trifft heute die Aussage des bekannten Kölner Kabarettisten Jürgen Becker zu, der Holländisches Essen vor Jahren in seiner spöttischen Art und einem Augenzwinkern gar als „Körperverletzung“ bezeichnete.
Ganz im Gegenteil werden die Gäste im The Dutch mit frischstem Fisch in Sashimi-Qualität, Austern (in verschiedenen Ausführungen) und einer Reihe hochwertiger Fleischgerichte verwöhnt. Nur ganz wenige Speisen haben die Frituur (Fritteuse) hier von innen gesehen. Aber auch die gibt es. Und das macht „The Dutch“ nur noch interessanter.
Denn tatsächlich werden auch die holländischen Fastfood-Klassiker Fritten und Frikandel hier angeboten und auf kreative Weise interpretiert, serviert und mit überraschenden Zutaten ergänzt. Bei den Fritten z.B. mit „The Dutch Holländische Sauce“ oder als Hausgemachte Trüffelpommes.
Außerdem hält die sehr umfangreiche Menu-Karte viele „holländische Sonderanfertigungen“ bereit: Dazu gehören u.a. Dutchy-Sushi, Blumenkohl mit Hollandaise, eine sehr spezielle „Frikandel Spezial“, eine gratinierte „The Dutch Rockefeller“- Auster (mit Sesam-Spinat, Yuzu-Hollandaise und Röstzwiebelcrumble) und bei den Cocktails einen „Fashioned Dutch“.
Da es im „The Dutch“ kein fest vorgegebenes Menu, aber eine sehr große Anzahl an sehr verlockenden Speisen gibt, kann die Entscheidung hier schon mal schwer fallen. Sympathisch erweist sich dabei nicht nur die große Auswahl, sondern auch die vergleichsweise geringen Preise. Wo andernorts schnell mal dreistellige Beträge für ähnliche Gerichte bzw. Menus fällig werden, beginnen die außergewöhnlichen Hauptgerichte hier bereits ab 27 EUR (für Chickenbreast oder 29 EUR für Lachs). Vorspeisen gibt es bereits im einstelligen Bereich.
Erfreulich, dass „The Dutch“ so auch beeindruckende Geschmackserlebnisse für ein Publikum eröffnet, das sonst bei Preisen über 40 EUR rausfällt.
Auch für kleine Gäste werden hier immer wieder nette Specials vorbereitet.
Holländisch-asiatisches Vorspeisenfeuerwerk
Mein kulinarisches Erlebnis im The Dutch beginnt an diesem Abend mit einem holländisch-asiatischem Vorspeisenfeuerwerk aus kalten und heißen Startern.
Als erstes werde ich von einem gerösteten Bloemenkool mit cremiger Sauce Hollandaise und Zitrusfrüchten und gerösteten Macadamia auf den Abend eingestimmt.
Das ist nicht nur der Eyecatcher oft the Day, sondern vor allem auch warmes Soulfood mit fruchtigen Akzenten. Der nussige Crunch von der Macadamia rundet diese Kombination ab. Einfach genau das richtige an kalten Dezember-Abenden.
Nebenher kommt mit drei Homemade Bitterballen das beliebteste holländische Fingerfood in einer feineren Version aus geschmorten Beef Short Ribs und Senfcrème auf den Tisch. Smakelijk!
Eine große Schale mit Sashimi von Salmon, Tuna und Hamachi ist mit einer Prise Seasalt verfeinert und bringt mit einem Wasabi-Kalamansi-Sorbet eine spannende, leicht scharfe und fruchtige Komponente auf den Teller. Trockeneis sorgt zusätzlich für ein bisschen dampfenden Showeffekt.
Für den „Knalleffekt“ und die Geschmacksexplosion des Abends sorgt kurz danach ein wilder Mix aus Jakobsmuschel und einem Kölner Klassiker.
Frikandel „Deluxe“
Dazwischen werde ich aber noch mit dem Fastfood-Klassiker aus der holländischen Küche überrascht. Auf die Frikandel „Deluxe“ mit Perlhuhn, Gänseleber, Trüffelcrème, Schalotten und Apfel hatte ich mich im Vorfeld meines Besuchs eigentlich am meisten gefreut.
Ich weiß gar nicht, ob ich es in einem Gourmet-Guide so offen zugeben darf, aber Frikandel Spezial ist eins meiner liebsten Cheat Foods, wenn ich in den Niederlanden bin. So konnte ich es also eigentlich kaum abwarten, diese Deluxe-Version zu probieren. Die Idee finde ich immer noch großartig und so war meine Vorfreude darauf am größten. Leider stellte sich dann heraus, dass es sich bei der Gänseleber um eine gestopfte handelt, die ich grundsätzlich ablehne und daher auf die Bestellung vorerst verzichtet habe.
Da ich mir diese Variante aber trotzdem nicht entgehen lassen wollte, fragte ich, ob die Frikandel „Deluxe“ vielleicht auch ohne Gänseleber serviert werden könnte.
Das wurde zuerst verneint. Nach meiner sichtbaren Enttäuschung erreichte mich die Frikandel ein paar Minuten später dann aber doch noch als netter, überraschender und zusätzlicher „Gruß aus der Küche“ – und zwar ohne Gänseleber.
Das gibt natürlich Pluspunkte für den Service und den erfüllten Sonderwunsch.
Auch das Deluxe-Food-Design ist sehr gelungen. Nicht nur im Vergleich zum „Original“ – einer optisch nicht besonders attraktiven Frikandel im Plastikschälchen.
Leider überzeugte mich mein bevorzugtes „Cheat Food“ in der Deluxe-Edition so leider nicht besonders. Für mich war der Trüffelgeschmack zu intensiv, das ganze Gericht etwas zu salzig und vielleicht auch deshalb nicht so ausbalanciert, da die Gänseleber (auf meinen Wunsch) weggelassen wurde – und so die anderen Zutaten dadurch möglicherweise zu dominant wirkten…
Mit Blutwurst kombinierte Jakobsmuschel
Vollends verzückt hat mich dagegen eine Kombination, die ziemlich wild klingt und mir einen ganz neuen Geschmackshorizont eröffnet hat.
Die mit Blutwurst kombinierte Jakobsmuschel ist eine extravagante, verrückte Surf 'n' Turf-Variante, die ein wenig Ähnlichkeiten mit dem Kölschen Nationalgericht „Himmel und Äd“ hat. „Verrückt“ ist in diesem Fall als großes Kompliment gemeint.
Mit Sojalack und kräftiger Sauce wird dieses ungewöhnliche Duett zu einem Umami-Erlebnis mit Tiefe und löst auf meinem Gaumen eine würzig-wohltuende Geschmacksexplosion aus. Diese Surf 'n' Turf-„Himmel und Äd“-Kombination bringt mich dem kulinarischen Himmel heute sehr nah und ist meine größte Empfehlung für einen Besuch im Dutch.
Einfach ausgedrückt könnte man es auch einfach “Superlekker!” nennen, wie die Holländer sagen würden…
Lachsfilet
Bei den Hauptspeisen entscheide ich mich heute für das gegrillte Lachsfilet mit Sesam Blattspinat, Pak Choy und Süsskartoffel. Das zarte Lachsfilet mit knuspriger Haut wird gelungen kombiniert mit asiatischen Gemüse, wie Pak Choy und auch der Sesam-Blattspinat sorgt für eine besondere Note. Zusätzlich wird das Ganze raffiniert mit Dill verfeinert und dunkle Rote Bete-Chips sorgen für einen besonderen Crunch-Geschmack on Top.
Speculaas-Parfait
Speculaas-Parfait mit roten Früchten sorgen für ein stimmiges Dessert passend zum Restaurant und zur Weihnachtszeit.
Das Speculaas-Parfait findet man übrigens nicht auf der „regulären“ Karte. Es gehört eigentlich zum winterlichen Gans-Menu (das man vorbestellen kann), kann aber auch zu den Speisen aus dem „normalen“ Menu gewählt werden. Eigentlich hätte ich auch gern noch eine andere Dessert-Variante wie den Homemade Vla, The Dutch Stroopwaffel und vor allem den den Sticky Rice & Ice mit Passionsfrucht, Ananas und Kaffir-Limette probiert.
Hier hoffe ich einfach darauf, dass die bei meinem nächsten Besuch noch auf der Karte stehen und ich es dann bei den Vorspeisen nicht wieder so übertreibe, um noch Platz für eine weitere Nachspeise zu haben…
Wie in jedem holländischen Restaurant üblich, so endet auch hier der Abend stilecht mit dem traditionellen Wilhelmina-Pfefferminz-Zuckerl zum Abschied. Sozusagen „The Dutch styled“ Petit Four.
Fazit
„The Dutch“ ist eine feine, mutige, kulinarische Bereicherung in Köln zwischen holländischen Klischees und Fastfood-Klassikern. Bitterballen, Frikandel und Frietjes kommen hier nicht in Plastikschälchen, sondern in Deluxe-Varianten. In stilvollem Ambiente in lockerer Atmosphäre und Speisen zu bezahlbaren Preisen soll die gehobene Crossover-Küche auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.
Der Bogen von holländischen zu asiatischen Gerichten ist breit aber nicht überspannt. Und es werden sogar kölsche „Nationalgerichte“ gekonnt mit eingebunden und durch gewagte Kombinationen einer neuen Geschmacksdimension zugeführt.
Bei so vielen holländischen Highlights, könnte ich mir vorstellen, dass man hier sogar mal den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker antreffen und seine Meinung über die niederländische Küche ändern könnte – wenn das nicht längst geschehen ist.
Text und Fotos © Nils Hohnwald
DÜSCOVER DÜSSELDORF:
Instagram: @duescover_duesseldorf“
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