Restaurant Gut Lärchenhof in Pulheim
Restaurant Gut Lärchenhof in Pulheim
Ein Rückzugsort, wie gemacht für den Genuss
Wer das Gut Lärchenhof besucht, lässt die Hektik der Großstadt bereits am Eingangstor zurück. Hinter dem schmiedeeisernen Schlosstor öffnet sich eine andere (kulinarische) Welt. Weite Grünflächen, ein stilvolles Ambiente und ein elegantes, frisch renoviertes Interieur empfangen die Gäste in einem der exklusivsten Food-Hideaways der Region.
Das Restaurant liegt direkt am Golfplatz – eine hübsche Kulisse mit großzügigem Blick ins Grüne. Besonders an warmen Sommerabenden ist die gesamte Location lichtdurchflutet, durch die großen Fenster fällt goldenes Abendlicht, das die gediegenen Farbtöne und das fein abgestimmte Dekor aufnimmt. Und die größtenteils ruhige Atmosphäre wird nur gelegentlich durch lebhafte Gespräche aus dem benachbarten Gastraum oder von der Außenterrasse belebt.
Nach dem umfangreichen Umbau des Restaurants bietet sich den Gästen ein sehr hochwertiges, gemütliches Ambiente zwischen Golfspieler-Portraits, einer schicken Bar mit Hochsitzen oder bequemen Sitzbänken (die fast schon Sofa-Qualität haben) und klassischen Sitzgelegenheiten an runden Tischen. Fast immer mit dem Blick ins Grüne.
Die Küche: Ein Parcours aus sommerlicher Frucht, Säure und Eleganz
Der Auftakt
Schon die ersten Grüße aus der Küche setzen ein Ausrufezeichen. Eine knusprige Waffel, gekühlt und ideal für den Sommer, bildet den Start. Die Waffel knusprig und die innere Füllung schön cremig.
... und ein in Form eines raffiniert angerichteten Cocktailglases: Hamburger Garnele mit Spargel, begleitet von fruchtigem Bärlauchöl – ein visuell wie geschmacklich gelungener Einstieg.
Ein vierter Gruß mit exotischem Frucht-Austern-Mix: Mango und Maracuja mit Austernschaum – der Mix aus exotischer Süße, ausgewogener Säure und kräuteriger Frische harmoniert perfekt. Die Auster selbst: festfleischig, in Textur und Qualität vergleichbar mit einer Gillardeau – ohne diese zu kopieren. Eine gelungene Inszenierung ist dieses Gericht auch mit den Schaum-Bläschen on Top.
Fruchtige Raffinesse ist der rote Faden in den ersten Gängen.
Kaisergranat
Leber, Plattpfirsich, Estragon
Der Kaisergranat wird mit leicht säuerlich-fruchtigerer Vinaigrette und Pfirsich-Tupfern serviert. Eingelegte Selleriescheiben bilden die fermentierte Basis.
Hier spielt Chef Torben Schuster einmal mehr beeindruckend mit Süße und Säure sowie fruchtigen Nuancen. Beim Kaisergranat mit Platt-Pfirsich in Kombination mit Leber und Estragon. Mir gefällt hier besonders gut, wie er die nah aneinander liegenden Fruchtnuancen von Mango oder Maracuja (bei den Grüßen aus der Küche) nun mit Plattpfirsich ergänzt und so mit den unterschiedlichen Süße- und Säure-Graden von Gang zu Gang spielt.
Optisch ist das Gericht, wie geschmacklich, dazu perfekt in Szene gesetzt.
Jakobsmuschel
Bouchot Muschel, Herzmuschel, Arborio Reis
Ein Gang, der zuerst an ein luxuriöses Spiegelei erinnert, entpuppt sich als Jakobsmuschel mit sonnigem Zitrusschaum, der hier auf Muschelaromen (darunter Herz- und Bouchot-Muscheln) trifft und durch Arborio-Reis ergänzt wird.
Eine aromatische Komposition, die den Übergang von orangen zu gelben und süßeren zu etwas saureren Früchten zelebriert – fruchtig, säuerlich, sommerlich leicht.
Seezunge
Teardrop Peas, N25 Kaviar, Kombu, Nussbutter, Schnittlauch
Die hübsch angerichtete, aufgerollte Seezunge überrascht im Inneren mit einer leicht rauchigen Note durch eingerollten Schinken. Eine sehr spannende Neuinterpretation von Surf ’n’ Turf. Kontrastiert wird das Ganze von süßlichen, nur leicht gegarten Erbsen und einem Hauch von Bitterstoffen. Kombu, N25 Kaviar und Nussbutter runden den Gang ab.
Der fruchtig-säuerliche „Spannungsbogen“ der ersten Gerichte wird hier bewusst gebrochen – eine gelungene kulinarische Wendung, um auch die anderen Geschmacksknospen anzusprechen.
Temperatur und Raumklima
Ein kleiner Wermutstropfen: Im Inneren ist es ganz schön warm – und das bereits schon bei Temperaturen weit unter 30 Grad Außentemperatur.
Trotz Renovierung scheint das Klimakonzept noch nicht ganz ausgereift.
Geöffnete Fenster schaffen zwar immer wieder angenehme Luftzirkulation, lassen aber gelegentlich Zigarettenrauch (von der Terrasse) ins Restaurant – v.a. während des Essens (für mich) ein deutlicher Störfaktor.
Weitere Highlights
Rotbarbe
Quinoa, Butternut Kürbis, Curry, Bisque
Beim Essen gibt es dagegen weiter nichts auszusetzen.
Die Rotbarbe kommt auf einem Bett aus Quinoa, mit nussigem Butternut-Kürbis, Curry und einer kraftvollen Bisque. Eine knusprige Hippe in Form einer Fischgräte verfeinert das Gericht optisch und bleibt bis zum letzten Bissen knusprig.
Eine visuelle wie handwerkliche Glanzleistung – und einer meiner Lieblingsgänge des Abends, bei der auch der Gourmet-Löffel wieder zum Einsatz kam bis keine Reste mehr auf dem Teller übrig waren.
Kalbsbries
Gänseleberschaum, Baby Spinat, Sellerie, Kartoffel
Das Kalbsbries ist außen knusprig und innen zart. Ein großer Gaumenschmaus, der mit Gänseleberschaum, Babyspinat, Kartoffel und Sellerie bestens ergänzt wird. Ein bisschen Säure kommt in diesem Gericht nicht (mehr) aus Früchten, sondern von gepickeltem Sellerie und – besonders hervorzuheben – von Sancho-Pfefferblättern.
Eine fruchtig-grüne Frische, die an Yuzu und Kaffir-Limette erinnert, aber ohne „klassische Frucht“ auskommt. Ein weiteres Highlight an diesem Abend!
Taube
Schwarzer Trüffel, Paprika, Rauchmandel, Kartoffel
Beim Hauptgang konnte man sich bei meinem Besuch zwischen Taube und Wagyu entscheiden. Meine Entscheidung fiel auf die Taube, da man sie grundsätzlich bedeutend seltener angeboten bekommt.
Sie wird hier mit schwarzem Trüffel fein dekoriert und einer Farce-Sphäre aus Innereien serviert. Geschmacklich interessant, aber in dieser Gesamtkomposition fehlten mir bei dem Gericht ein bisschen der Kick, die Intensität und die fruchtige Leichtigkeit, die mich zuvor so überzeugten.
Auch wenn der Bruch und die Abwendung von säuerlich-fruchtigen Aromen vom Koch so beabsichtigt war, hätte ich mir persönlich anstelle von Kartoffel und Paprika hier wohl lieber eine Fortsetzung der Kombinationen aus (exotischen und sommerlichen) Früchten gewünscht – auch weil für mich Kartoffeln und Paprika nie den ganz großen Effekt für außergewöhnliche Speisen ausmachen und erreichen.
So war es für mich ein solides Gericht, das jedoch nicht ganz an die vorherigen Highlights heranreichte.
Dessert
Erdbeere, Gerste, Honig, Paprika, Vanille
Für den perfekten Abschluss sorgte kurz danach ein hervorragend komponiertes Dessert.
Mit Erdbeere, Gersteneis, Vanille, Honig und Paprika in einer Jus, ist das ein gelungenes süßes Finale – samtig und kalt trifft auf weich und warm. Die Wabe als zentrales Element ist visuell ein Hingucker, in der Textur ebenso durchdacht – und nun gibt sogar die Paprika dem Dessert in dieser unerwarteten Kombination doch noch eine ganz besondere, außergewöhnliche Note.
Petits Fours
Die Petits Fours bilden eine schöne Zusammenfassung der Gerichte und der Geschmackserlebnisse des Abends aus süß-sauren Früchten mit überraschenden und sehr gelungenen sommerlichen Geschmackskombinationen.
Ein süß-säuerlicher Apfelring und ein sommerlicher Affogato sorgen für den Anfang vom Ende.
Und mit einem Maracuja-Kölsch im Mini-Kölsch-Glas (und dabei denken viele schon ein 0,2l-Kölsch-Glas ist ein sehr kleines Bierglas) schließt sich der Kreis und setzt einen letzten fruchtigen, sehr gelungenen letzten Akzent.
Fazit
Ein Menü mit klarem Spannungsbogen: Die ersten Gänge faszinierten mich mit fruchtig-säuerlicher Frische, später folgen komplexere, würzigere Geschmackserlebnisse.
Der Wechsel zwischen Texturen, Temperaturen und Aromen ist fein abgestimmt, die Dramaturgie durchdacht. Auch wenn ich mir persönlich bei der Taube doch lieber noch den ein oder anderen fruchtigen Akzent gewünscht hätte.
Chefkoch Torben Schuster versteht es, ein Menü mit klarer Handschrift zu kreieren, das modern, frisch und handwerklich sehr präzise wirkt und immer wieder mit der ein oder anderen sehr gelungenen kulinarischen Überraschung sehr überzeugt.
Das Restaurant Gut Lärchenhof wird so zu einem Ort zum Abschalten, Genießen und Innehalten.
Wer an einem lauen Sommerabend im Restaurant oder auf der Terrasse des Gut Lärchenhofs sitzt, hat nicht nur den Trubel der Stadt, sondern auch die Zeit für ein paar Stunden vergessen – und dabei außerordentlich gut gegessen.
Text und Fotos © Nils Hohnwald
DÜSCOVER DÜSSELDORF:
Instagram: @duescover_duesseldorf“
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