Das Ziel: Genuss im Restaurant ALOIS in München
Das Ziel: Genuss im Restaurant ALOIS in München
München, schon satt bevor ich gegessen habe. Was war denn hier los? Der Himmel weiß-blau, Fenskes wohl gestimmt und auf dem Weg, zum Parkhaus an der Oper. Die Ordnungsmacht bemühte sich redlich, mich daran zu hindern. Die Maximilianstraße, überall Polizei. Als Ortsfremder übersah ich beflissentlich die Haltesignale. So schafften wir es ohne Beschuss, bis ins Vorfeld der Tiefgarage. Eine chaotische Baustelle erwartete uns. Ich begann innerlich zu kochen. Es war 11:55 Uhr, um 12:00 Uhr wollten wir im Alois sein. Unter Missachtung von Verkehrs- und Benimmregeln und deftigen Flüchen anderer Verkehrsteilnehmer (hatte ich gerade ein „Saupreiß“ gehört?), gelangte ich in die Garage. Per pedes ging es durch das Treppenhaus aufwärts.
Ein Mordspektakel empfing uns. Man beschmiss uns mit Obst. Später fand ich heraus, dass wir ungewollt, Teil des Wagenfests, der Hare-Krishna-Bewegung waren. Die Abgabe von Obst an Passanten war Teil des „Spektakels“.
So erklärte sich die Sperrung der Maximilianstraße. Sie war doch nicht, wie von mir gedacht, der Präsenz des (Sonnen)Weißwurstkönigs Söder geschuldet.
Noch pünktlich erreichten wir das Alois. Julien Morlat, der Maître & Sommelier im Alois, empfing uns. Er wirkte leicht überfordert, da ich emotional stark aufgeladen war. Die höfliche Frage nach der Qualität unserer Anreise beantwortete ich mit einem Wortschwall. Wie ein Papagei auf Koffein. Der kurz sprachlose Monsieur fing sich und führte die Liebste und mich an unseren Tisch. Das Ambiente des Gastraums gefiel.
Es hat etwas von einem gediegenen, großzügigen Wohnzimmer. Wir saßen am Fenster. Schauten wir durch selbiges, sahen wir wenig. Ein Baugerüst versperrte die Sicht. Und so fokussierten wir uns auf die Speisekarte sowie die umfangreiche Weinkarte.
Die Online-Verfügbarkeit der Karten machte die Entscheidung vor Ort leicht. In der Weinkarte: große Schaumweine, feine Burgunder, der Fokus liegt auf den starken, klassischen europäischen Weinbauregionen. Guckt man genau, dann findet man daneben absolut Trinkbares für den schmaleren Geldbeutel.
Wir entschieden uns für das verkürzte Menü in 10 Gängen. Zusätzlich wählte ich ein Signature Dish von Rosina Ostler, die Störleber mit Kaviar und Räucheraalbrioche.
Es gefällt uns sehr, dass Frau Ostler einen sehr eigenen Küchenstil pflegt. Die Kernmerkmale: eine Fusion aus Klassik, Nordisch und Heimat. Die Tellersprache reduziert: „Weniger ist mehr“.
Firlefanz auf dem Teller, Fehlanzeige. Jede Komponente machte geschmacklich Sinn. Blüten und Tupfen, weit mehr als Dekoration. Nordische Techniken und Aromenintensität, gewiss bedingt durch ihre Zeit im Restaurant Maaemo. Kräftigen Aromen und komplexen Saucen, dies schätzen wir. Eine Abfolge von vielen kleinen Gängen, sorgt für einen Spannungsbogen. Von Teller zu Teller wurden die Gänge dichter und tiefgründiger.
Im Menü waren wir äußerst angetan von einem gefüllten Hühnerflügel sowie einem Zucchino mit Sardelle und Cedro-Zitrone. Faszinierend, was man aus einem recht geschmacksarmen Gemüse zaubern kann. Das Signature Dish entpuppte sich als außerordentlicher und sehr geschmackvoller Genuss. Wir waren angetan von der Speisenfolge.
--------------------------------------------------------------------------
Edip Sigl meinte, wenn ich in München nicht das Alois besuchen würde, verpassten wir etwas. In der Rückschau kann ich sagen: Herr Sigl hatte recht. Wir verbrachten dort einen angenehmen Mittag. Dass wir uns wohlfühlten, lag nicht nur an der Küche von Rosina Ostler und ihrem Team, sondern auch an dem freundlichen und zugewandten Serviceteam. Spaß bereitet mir das Gespräch mit einer jungen Dame am Nebentisch, welche ich der Schickeria zuordnete. Very busy, alles drehte sich um sie. Doch sie war charmant und obendrein fesch anzusehen und hatte eine Affinität zur gehobenen Gastronomie, und diese war unser gemeinsamer Nenner.
Als wir vor die Tür traten, hatte sich der weiß-blaue-Himmel verabschiedet, es regnete. Und es war angenehm still. Es schien, als seien die Hare-Krishna-Jünger davongespült. THX Petrus!