Eine kulinarische Reise auf die Seychellen...
Eine kulinarische Reise auf die Seychellen...
Türkisblaues Wasser, feiner Sand, Palmen im Wind. Wann, wenn nicht jetzt im trüben, eiskalten Januar wünscht man sich mehr in ein solches Szenario, an dem man Sonne tanken, die Seele baumeln und sich kulinarisch verwöhnen lassen kann?
Am Neusser Hafen dominieren dagegen mächtige Speichergebäude, Kräne und eine raue, industrielle Kulisse. Und doch gelingt im Port Victoria auch zu dieser Jahreszeit der Perspektivwechsel. Kaum sitzt man am Tisch, rückt der graue Winter in weite Ferne – kulinarisch geht es direkt an den Indischen Ozean.
Hinter diesem ungewöhnlichen Ort steht Victoria Fonseka, deren Biografie untrennbar mit den Seychellen verbunden ist. Ihre Großmutter betrieb dort einst das erste Restaurant des Inselstaats – eine Geschichte, die hier nicht nur erzählt, sondern auch auf den Tellern umgesetzt wird. Und auch in weiterer Generation ist das Port Victoria ein echtes „Family Business“: Denn nicht nur die Großmutter war Inspirationsquelle. Auch Victorias Mutter bringt bei ihren Besuchen oft frische Zutaten von den Inseln mit nach Deutschland.
Exotische Früchte, Gewürze, Aromen, die man hierzulande kaum kennt. Wenn man Glück hat, werden sie den Gästen direkt am Tisch präsentiert, erklärt und aufgeschnitten.
Das wirkt persönlich, fast familiär – und schafft sofort Nähe zur Küche.
Kulinarisches Inselhopping
Das Herzstück des Konzepts ist das kulinarische Inselhopping auf der Karte. Drei Auswahlmöglichkeiten bietet das Restaurant – benannt nach den Hauptinseln Mahé, Praslin und La Digue: ein omnivores Menü, ein vegetarisches Menü und eine À-la-carte-Auswahl. Das passt nicht nur thematisch, sondern auch sprachlich perfekt zum Namen Port Victoria – ein schönes Wortspiel zwischen der Hauptstadt der Seychellen, der Restaurant-Namensgeberin und dem Standort am Neusser Hafen.
Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, wirkt diese Aromenwelt der Sychellen wie ein kulinarischer Kurzurlaub. Trotzdem nicht opulent, nicht überladen, sondern geprägt von einem lockeren Vibe, Frische und dem bewussten Spiel mit exotischen Zutaten.
Der Auftakt: frisch, klar, maritim
Schon der Aperitif setzt den Ton: Anjas Taka Lemon, verfeinert mit Rum von den Seychellen, ist leicht herb, fein säuerlich und ausgesprochen erfrischend. Ein Drink, der einen gleich an den Strand beamt.
Das Menü beginnt mit Schwertfisch von den Seychellen, nur leicht geräuchert, sodass der Eigengeschmack klar im Vordergrund bleibt. Dazu Gurkentatar, Crème fraîche und Wintergemüse. Die Bitterorange von den Sychellen, dort Bigarade genannt, bringt eine elegante, herbe Frische ins Spiel. Ein sehr stimmiger Auftakt, der zeigt, wie souverän hier mit Säure und Rauch gearbeitet wird – auch wenn ich mir bei der Crème fraîche einen Tick mehr Cremigkeit gewünscht hätte.
Wenn Regionales exotisch wird
Besonders gut gefiel mir der Gang mit der Weißen Karotte. Eine regionale Entdeckung, die hier völlig neu interpretiert wird: zart gegart, mit einem Aroma, das überrascht – zimtig, leicht scharf, zugleich süßlich. Darunter ein Haselnussgel, das Tiefe und Nussigkeit bringt.
Der Pit-Piman-Sud – mit Piment von den Seychellen – erinnert geschmacklich an Zimt: warm, würzig, leicht pikant. Eine Kombination, die den kreolischen Charakter wunderbar einfängt. Genau solche Gerichte machen deutlich, wie sehr sich das Port Victoria vom Üblichen abhebt und den Charakter einer hierzulande wenig bekannten kulinarischen Region authentisch transportiert.
Der berühmte Spoon
Ein echtes Markenzeichen ist hier auch der berühmte Spoon aus der TV-Sendung The Taste, an der Victoria Fonseka vor einiger Zeit selbst teilgenommen – und es bis ins Finale geschafft hat. Hier wurde sie von Alexander Herrmann, Tim Raue und Frank Rosin gecoached und inspiriert. Bei der TV-Sendung lernte Victoria außerdem ihren Küchenchef Tobi (Tobias Pecher) kennen, der zuvor in der Institution „Käfer“ sein Handwerk gelernt hat und unter anderem bei Alexander Herrmann tätig war.
Die Zutaten der Löffel wechseln regelmäßig und heute werde ich mit knusprigem Blumenkohl auf dem Löffel überrascht. Begleitet von Kokos wird so eine feine Süße beisteuert und erneut Bigarade (Bitterorange von den Sychellen) bringt fruchtige Frische und Spannung mit auf den Löffel. Alles ist so komponiert, dass im Mund ein vollständiges und sehr stimmiges Geschmackserlebnis entsteht: knusprig, cremig, süßlich und säuerlich.
Zwischen Europa und Indischem Ozean
Auch klassische Elemente finden ihren Platz. Knusprig frittierte Jakobsmuschel mit Spinat-Mantel und fein abgestimmtem Tec Tec Muschelsud,...
... daneben ein Waldpilzragout mit Cassis-Portwein-Jus. Dazu Brot mit frischer Chilipaste: intensive Schärfe, kraftvoll, nichts für große Mengen. Eine kleine Warnung des Services ist hier mehr als angebracht.
Ein sehr persönlicher Moment des Menüs ist das Gericht „Marie Antoinette“ nach Omas erstem Menü auf den Seychellen. Serviert wird eine Auswahl an Komponenten, die sich die Gäste selbst zusammenstellen können: Salat, grüne Tabasco-Sauce, rote Sauce mit Bäckchen und Fisch, dazu frische Maracuja. Das alles genießt man authentisch als Fingerfood.
Und besonders der Red Snapper ist für mich dabei hervorzuheben, der kreolisch nur mit Kurkuma und Ingwer mariniert mit saftiger Textur und aromatischer Tiefe überzeugt – selbst pur und ohne Saucen ein großer Genuss.
Wellington trifft Inselküche
Als Hauptgericht wird heute ein besonderer Klassiker serviert, der nicht nur optisch Eindruck hinterlässt. Ein Trio vom Hirsch: kurz gebratener Rücken, Ragout im Wellington-Mantel und ein leicht süßlicher Selleriestampf. Die Teighülle ist nicht nur Inszenierung, sondern fügt dem Ragout zusätzlich ein knuspriges Extra hinzu, der Sellerie bringt eine fast liebliche Note, der Jus bleibt harmonisch, ohne zu dominieren. Und außerdem kommt die perfekte Weinbegleitung ins Spiel.
Wein mit charmanter Expertise
Für diese sorgt seit noch nicht allzu langer Zeit Sommelière Maya Michels, die das kulinarische Erlebnis noch weiter verfeinert. Sie blickt bereits auf acht Jahre im Drei-Sterne-Restaurant Traube Tonbach zurück, wo sie auf Stationen als Demi-Chef de Rang und Sommelière in renommierten Häusern, wie zuletzt bei einem „Zwischenstopp“ im Schlosshotel Hugenpoet vielfältige Erfahrungen sammeln und ihre Expertise auch in begleitenden Studien erweitern konnte.
Ihre Empfehlungen im Port Victoria sind charmant und präzise. Sie erläutert kenntnisreich, welcher Wein warum passt – und hebt das Menü damit auf ein noch stimmigeres Niveau.
Süßer Abschluss & Souvenir
Auch das Dessert bleibt der Linie aus lokalen und exotischen Früchten treu: eine lebendige Säure-Süße-Kombination aus Java-Apfel von den Sychellen, Quitten und Bratapfelsud sorgen für ein spannendes Finale.
Der glocken- bis birnenförmige Java-Apfel ist neben der Bigarade eine der interessantesten Zutaten von den Sychellen. Beide werden nicht nur serviert, sondern in ihrer ursprünglichen Form auch gern am Tisch gezeigt:
Obwohl der Java-Apfel durch seine Form eher an eine Birne erinnert, ist er geschmacklich süß, aber vor allem auch mit einer sehr prägnanten Säure ausgestattet.
Diese unbekannten Nuancen, die man von heimischen Zutaten kaum kennt, machen einen Abend im Port Victoria so reizvoll und einzigartig.
Zum Schluss darf ich aus der blau, gelb, rot, weiß, grünen Palette der Petit-Fours wählen.
Sie repräsentieren die Farben der Seychellen und der Landesflagge aus Himmel & Ozean, Sonne, Vielfalt der Menschen, Harmonie und der Landschaft.
Geschmacklich vielseitig sind dann auch die kleinen Küchlein und Süßigkeiten u.a. aus Kokos und Matcha. Und auch das Design der Petit-Fours-Karte ist sehenswert in den Farben der Flagge gestaltet – ein liebevolles Detail, das zeigt, wie konsequent die Verbindung zu den Seychellen hier umgesetzt wird.
Zum Abschied gibt es für mich noch ein kleines Geschenk, das ich mit nach Hause nehmen darf: Einen landestypischen Gewürzmix u.a. aus Korianderkörnern, Panela Vollrohrzucker, Pfeffer, Zimtrinde, Fenchelsaat, Sternanis und Gewürznelken.
Die Zutaten wurden von Chefkoch Tobi persönlich auf den Seychellen ausgewählt und zusammengestellt. Und den Einsatz solcher Gewürzkombinationen hätte ich mir heute fast noch ein bisschen häufiger gewünscht, um die Kulinarik der Seychellen noch ein bisschen intensiver zu spüren. Das Mitbringsel bleibt – wie der gesamte Abend – dennoch in sehr guter Erinnerung.
Fazit:
Das Port Victoria ist eine spannende Location, um neue Aromen kennenzulernen mit persönlichem Vibe und einer interessanten Familien-Geschichte sowie authentischen Speisen, Zutaten und Gewürzen von den Seychellen. Ein lockeres, gut informiertes und sympathisches Team sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Und gerade im Winter ist dieses kulinarische Inselhopping eine wunderbare Fluchtmöglichkeit in eine andere, sommerliche Welt.
Text und Fotos © Nils Hohnwald
DÜSCOVER DÜSSELDORF:
Instagram: @duescover_duesseldorf“
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