Zwei Restaurants von einem Holger Bodendorf
Zwei Restaurants von einem Holger Bodendorf
Sylt ist für die Mehrheit von uns das, was wir unter "Sehnsuchtsort" verstehen. Die Insel hat ihren ganz eigenen Rhythmus: mal ruhig, mal voller Energie, immer ein bisschen easy-going, denn "wir haben's uns verdient" und genau dieses Sylt-Feeling findet man konzentriert im Herzen von Tinnum, im Landhaus Stricker by Holger Bodendorf.
Ein Ort, der für viele Stammgäste längst ein zweites Zuhause geworden ist. Ein Refugium, das nicht nur mit Fünf-Sterne-Superior-Komfort und der Zugehörigkeit zu Relais & Châteaux glänzt, sondern vor allem mit gelebter Gastfreundschaft. Hier zeigt sich moderner Luxus von seiner persönlichen Seite.
Holger Bodendorf – Gastgeber, Visionär, Mensch
Das prägende Gesicht des Landhaus Stricker ist Patron Holger Bodendorf. Seit 2001 führt er das Landhaus Stricker und prägt es seither mit einer klaren Vision. Für ihn ist Gastgeber-Sein mehr als ein Beruf: Es ist Berufung. Er ist Spitzenkoch, Unternehmer und Gastgeber zugleich – immer präsent, immer nahbar.
1967 in Heiligenhafen geboren, führte ihn sein Weg über Stationen in Hamburg, Zürich und Mannheim schließlich nach Sylt zurück. Sein kulinarischer Stil hat ihm internationale Anerkennung eingebracht, und sein Restaurant „Bodendorf’s“ zählt seit Jahren zu den besten Adressen Norddeutschlands.
Wer Bodendorf kennenlernen möchte, erlebt ihn am intensivsten in seinen Restaurants. Denn hier wird seine Philosophie spürbar: Höchste Qualität, echter Teamgeist und die unmittelbare Nähe zum Gast. Bodendorf versteht sich als Führungskraft durch Vorbild: Er fordert Höchstleistungen, fördert aber ebenso die persönliche Entwicklung seiner Mitarbeiter. Verantwortung wird delegiert, Ideen dürfen wachsen, jeder im Team wird wertgeschätzt. Diese Haltung prägt nicht nur die Atmosphäre im Haus, sondern zeigt sich vor allem im kulinarischen Erlebnis.
Besonders charmant: Die Gerichte werden nicht nur zubereitet, sondern auch direkt vom Küchenteam serviert – mit persönlicher Erklärung inklusive. Dass Holger Bodendorf ebenfalls persönlich serviert, ist hier ebenso selbstverständlich wie der Einsatz von Hoteldirektor Florian Leisentritt am Tablett.
Dahinter steckt ein klares Prinzip: Das Gourmetrestaurant öffnet nur dann seine Türen, wenn Holger Bodendorf selbst vor Ort ist. Samstag, Sonntag und Montag ist Ruhetag – bewusst. Bodendorf ist überzeugt, dass ein gutes Haus auch innerhalb der Woche voll sein muss. So bleibt Raum für ein funktionierendes Miteinander und für planbare Arbeitszeiten.
Für mich persönlich ist es eine Bereicherung, auch die Menschen hinter den Kulissen kennenzulernen. Restaurantleiterin Nicole Leipold ist dabei ein fester Anker – sie ist stets präsent und sorgt für Kontinuität.
Und obwohl Bodendorf längst die Rolle des Verwalters einnehmen könnte, bleibt er stets am Puls des Geschehens. Stillstand kennt er nicht – weder im Haus noch auf den Tellern. Immer wieder denkt er neu, probiert aus und überrascht. Genau das macht ihn zu dem, was er ist: Gastgeber, Visionär, Mensch.
Bodendorf’s – Genuss wie ein Gedicht
Das Gourmetrestaurant Bodendorf’s ist das kulinarische Herzstück des Landhaus Stricker – ein Ort, an dem Fine Dining zugleich persönlich, lebendig und zeitgemäß wirkt.
Das Ambiente: modern und elegant, fast wie eine Galerie, geprägt von den Kunstwerken von Devin Miles.
Seit über zwei Jahrzehnten zählt Bodendorf’s zu den führenden Adressen der deutschen Spitzengastronomie. Konstant geblieben ist die Handschrift: eine klassisch französisch geprägte Küche mit mediterranen Akzenten. Gleichzeitig bleibt das Team um Holger Bodendorf und Küchenchef Denis Brühl, der seit 2018 an seiner Seite kocht, offen für Neues – und so finden inzwischen auch feine Einflüsse aus Fernost ihren Platz im Menü.
Freitagabend, 18 Uhr. Wir werden herzlich von Hoteldirektor Florian Leisentritt begrüßt und zu unserem Tisch begleitet – dem inzwischen fast ikonischen runden Tisch, bekannt aus den Social-Media-Auftritten des Hauses. Umgeben von den Pop-Art-Werken von Devin Miles nehmen wir Platz – quasi zwischen Karl Lagerfeld und Dagobert Duck.
Der Abend beginnt klassisch mit einem Glas Rosé Brut Champagner von Laurent-Perrier. Während zu Beginn noch Ruhe herrscht, füllt sich das Restaurant rasch – bis schließlich eine lebendige, aber stets angenehme Stimmung den Raum erfüllt.
Holger Bodendorf eröffnet den Abend persönlich. Mit einem Lächeln tritt er an unseren Tisch und serviert zum Champagner die ersten kleinen Snacks.
Auf dem Tablett: seine verspielte Interpretation einer Quiche Lorraine. „Also, sie sieht so aus wie zu Hause“, bemerkt er augenzwinkernd. Ich muss leider schmunzelnd widersprechen – dafür ist sie viel zu raffiniert: Käsecreme, Speckkaramell, Lauchgel und ein knuspriger Cracker.
Es folgt ein Macaron von der Yuzu-Zitrone, gefüllt mit Ponzu-Gelee und gekrönt von einer halbflüssigen Sphäre aus Brunnenkresse – mein persönliches Highlight.
Danach ein Kartoffel-Churro, begleitet von Barbecue-Sauce und gerösteten Zwiebeln.
Den Abschluss dieser ersten Genussreise bildet ein Schälchen mit gleich vier Variationen der Kumato-Tomate: Filet, mariniertes Herz, ein intensives Tomatenfond sowie ein Basilikum-Mousse mit Burrata-Eis. Fruchtig, frisch und zugleich cremig – ein Zusammenspiel, das Leichtigkeit verströmt und Lust auf mehr macht.
Dann geht es auch schon weiter – mit einer japanisch inspirierten Kreation. Serviert wird sous-vide gegarter Schweinebauch in Kombination mit leicht abgeflämmter Gelbflossenmakrele aus Japan. Darunter eine aromatische Tigermilch, die den Teller verbindet. Besonders gelungen fand ich das Spiel aus Kokos, Passionsfrucht-Dashi und einem Hauch Chili – eine Balance aus Süße, Säure und feiner Schärfe. Dazu knusprige Akzente vom Bauchchip und Krabbenchip sowie der „Eislauf“: hauchdünn geschnittener grüner Frühlingslauch, der sich im Eiswasser zu einer feinen Spirale formt.
Wir haben uns an diesem Abend für ein 7-Gänge-Menü mit Weinbegleitung entschieden.
Die charmante Sommelière Lara Karbstein schenkt mir dazu einen Pinot Blanc Ein Stern 2021 von Markus Molitor von der Mosel ein. Mit seiner moseltypischen Frische, klarer Mineralität und beeindruckender Tiefe harmoniert er wunderbar mit meinem ersten Gang: lauwarmes Stubenküken.
Serviert wurde dieser vom Küchenchef Denis Brühl persönlich: Das Stubenküken, gefüllt mit Foie gras von Gans und Ente, begleitet von Pfifferlingen und einem intensiven Pfifferlingsfond. Separat dazu das Sot-l’y-laisse mit jungen Erbsen, weiteren Pfifferlingen und einer feinen Kerbel-Velouté.
Offen gestanden: Auch nach mehreren Versuchen in unterschiedlichsten Restaurants werde ich mit diesem Geschmack einfach nicht warm. Natürlich probiere ich immer wieder – man will ja offen bleiben. Doch am Ende merke ich: Es ist schlicht nicht meins. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Gericht handwerklich auf absoluter Perfektion beruhte. Meine Begleitung – der Mann mit dem guten Geschmack ;-) – sah das übrigens ganz anders. Er war restlos begeistert.
Meinem Gegenüber servierte Denis Brühl Helgoländer Hummer: mariniert und begleitet von grünem Spargel, eingelegten Gurken, feinen Radieschen-Essig-Perlen und Bohnenkraut im Hummerfond. Die dazu gereichte Hummerbisque war wunderbar cremig und intensiv – ein Gericht voller Eleganz.
Dazu empfahl Sommelière Lara Karbstein einen Riesling 2016 vom Weingut Alsace Munsch.
Gereifte Rieslinge können mit ihrer charakteristischen Firne – der typischen Petrolnote – durchaus polarisieren. Hier jedoch empfand ich sie als angenehm zurückhaltend und harmonisch eingebunden. Die fruchtigen Nuancen blieben präsent und wurden nicht überlagert – eine sehr stimmige Begleitung zum Hummer.
Als nächstes folgt der Jakobsmuschel-Gang. Ich gestehe: Jakobsmuscheln gehören zu meinen Favoriten – ich muss sie einfach überall probieren. Diese Variante überzeugt auf ganzer Linie: perfekt gebraten, eingebettet in ein cremiges Tahini-Mousse, dazu die fruchtige Frische von Kumquats, ein feiner Hauch Szechuanpfeffer und ein knuspriger Soja-Crumble.
Schon beim Schreiben meine ich den Geschmack noch immer auf der Zunge zu spüren: die zarte Süße der Jakobsmuschel, getragen von der nussigen Cremigkeit des Tahini-Mousses – ein Zusammenspiel, das lange nachhallt – und mich noch immer begeistert.
Zur Jakobsmuschel wird ein deutscher Wein vom Weingut Aldinger aus Württemberg serviert: der Sauvignon Blanc Réserve 2016. Ein Wein für Liebhaber fülliger, barrique-geprägter Weißweine – kraftvoll und vielschichtig, aber sicher nicht jedermanns Sache. Für mich war es die erste Begegnung mit diesem Wein.
Besonders gefallen hat mir die Balance aus Cremigkeit und Frische, die wunderbar zur Jakobsmuschel passte. Im Abgang war er mir jedoch etwas zu schwer. Doch wie so oft ist das Geschmackssache – meine Begleitung empfand genau diese Charakterstärke als reizvoll.
Als drittes wird uns isländischer Rotbarsch serviert – in einer Bouillabaisse, begleitet von Chorizo-Espuma, Salzzitrone und Meeresfenchel. Der fein-süßliche Charakter des Fisches kommt dabei wunderbar zur Geltung, das Chorizo-Espuma fügt sich harmonisch ein. Besonders angetan hat es mir die leicht jodige Mineralität des Meeresfenchels – einfach perfekt. Genau so bitte immer wieder.
Weiter geht es mit glasierter Seezunge, kombiniert mit Daikon-Rettich, Liebstöckel, schwarzem Trüffel und Rotweinbutter. Ein weiterer Gang, der sich als absoluter Gaumenschmaus erweist. Die subtile Süße der Seezunge in Verbindung mit dem Daikon-Rettich trifft genau meinen Geschmack: fein, leicht pikant, aber nicht zu scharf. Den Trüffel konnte ich zwar nicht deutlich herausschmecken, doch das schmälert den Genuss nicht im Geringsten.
Ist es nicht herrlich, wenn ein Menü einfach nicht aufhört, uns zu überraschen?
Zum Rücken vom Salzwiesenlamm wurde mir ein alter Bekannter eingeschenkt: der Zweigelt Heideboden 2012 vom Weingut Robert Goldenits. Ein Rotwein mit schöner Frische, klarer Struktur und einer feinen, süßlichen Textur – eine perfekte Wahl für diesen Gang.
Das Lamm kam begleitet von Topinambur, grüner Tomate, schwarzem Knoblauch und einem Safransud. Was soll ich sagen: Das Fleisch war genauso köstlich, wie es auf einem perfekten Foto aussehen würde – zart, aromatisch und ausgezeichnet gewürzt. Besonders der süßliche Geschmack der Topinambur fügte sich harmonisch ins Gesamtbild. Ein Gang, der mich schlicht glücklich gemacht hat.
Meine Begleitung erhielt zu seinem Gang einen Rotwein aus Franken: den Parzival 2017 vom Weingut Rudolf Fürst. Ich durfte nur einen kleinen Schluck probieren, habe ihn aber als würzig und komplex in Erinnerung behalten. Vor allem aber war er – wie schon die Weine zuvor – toll auf das Gericht abgestimmt.
Und damit vom Rücken des Lamms zu einem anderen Rücken – diesmal vom Rind. Doch nicht irgendeinem: serviert wurde japanisches A5 Strip Loin. Dazu eingelegte Kirsche, Ravioli, sowie eine aromatische Langpfefferjus.
Da ich, wie unschwer zu erkennen, keine begnadete Fotografin bin und das Licht inzwischen nicht mehr mitspielte, war ich so lange mit dem Fotografieren meines eigenen Gangs beschäftigt, dass mein Gegenüber schon fast aufgegessen hatte. Sehr zu seinem Missfallen habe ich mir dennoch den letzten Bissen erkämpft – und er war es wert.
Japanisches A5 steht für die höchste Qualitätsstufe von Rindfleisch – und genau so schmeckte es auch: buttrig, nussig-süßlich, fein marmoriert. Kurz gesagt: purer Luxus auf dem Teller.
Es ist wieder soweit: The Master himself – Holger Bodendorf – kommt noch einmal an den Tisch und serviert uns eine kleine Überraschung, bevor es zu den Desserts übergeht. Ein lauwarmer Brot-Butter-Pudding, darauf eine Nocke Pfirsichsorbet, begleitet von einem Fond aus heimischer Zitronenmelisse. Erfrischend, leicht und der perfekte Auftakt zum süßen Finale.
Zum Abschluss folgt ein Dessert, das Frische und Eleganz vereint: Erdbeere & Zitronenverbene. Ein Erdbeersorbet mit einem Buchweizen-Sablé, mit Vanillemousse. Dazu Zitronenverbene-Eistee – harmonisch, sommerlich.
Begleitet wurde das Dessert von einem Riesling, der uns so gut gefiel, dass wir ihn uns noch am selben Abend bestellten: Künstler 2022 Spätlese Pfaffenberg Monopol Rheingau VDP Große Lage. Mit Aromen von reifem Pfirsich, süßer Orange und Ananas, dazu feinen Zitrusnoten und einem Hauch kandierter Limettenschale zeigte er eine großartige Balance aus Süße und Säure. Seine cremige Textur und der lange Nachhall machten ihn für uns zu einem echten Volltreffer – kraftvoll, fruchtig und zugleich elegant. Er passt hervorragend zu fruchtigen Desserts, asiatischen Gerichten oder einfach solo ins Glas.
Fazit: Das Bodendorf’s bietet seinen Gästen nicht nur kulinarischen Hochgenuss, sondern ein Gesamterlebnis, das von Menschen geprägt wird. Die Küche arbeitet technisch auf höchstem Niveau und verbindet klassische Grundlagen mit modernen Akzenten. Jeder Gang überzeugt durch beste Produktqualität, klare Aromen und harmonische Kompositionen.
Durch den persönlichen Service des Küchenteams verschwimmt die klassische Trennung zwischen Küche und Service – und es entsteht eine Atmosphäre von Nähe, Persönlichkeit und echter Gastfreundschaft. Kein distanzierter Luxus, sondern ein wohltuender „Luxus mit Seele“.
Restaurantleiterin Nicole Leipold ist wunderbar charmant, souverän und zugleich herzlich. Sie gehört zu den Menschen, die man einfach gern haben muss – ein echtes Aushängeschild, das dem Haus hoffentlich noch lange erhalten bleibt. Ihr freundliches „Buon appetito“ klingt mir noch immer in den Ohren.
Sommelière Lara Karbstein führte uns mit Expertise und spürbarer Leidenschaft durch das Menü. 2021 legte sie ihren Abschluss als Landesbeste ab und ist dem Landhaus Stricker seitdem treu geblieben. Ihre Weinauswahl war nicht nur stimmig, sondern stets auch charmant erklärt.
Zusammen mit einem Team, das Professionalität und Persönlichkeit ideal vereint, entsteht ein Abend, der zeigt, was Fine Dining ausmacht: exzellentes Essen, großartige Weine und ein Gefühl von Willkommen-Sein. Ein Abend, den wir in Gedanken unter ‚Ganz besonders‘ abgelegt haben.
SIEBZEHN84 – charmant, kreativ, nachhaltig
Zeitlos und doch ganz im Heute: Das Restaurant SIEBZEHN84, benannt nach dem Baujahr des historischen Friesenhauses, ist die charmante Alternative zum Gourmetrestaurant Bodendorf’s – ohne dabei an Anspruch zu verlieren. Locker, entspannt und dennoch auf hohem Niveau.
Das Ambiente: eine rustikale Basis aus Holz und warmen Naturtönen, die sich mit modernen Farbakzenten zu einem lebendigen Spiel verbinden. Herzstück des Restaurants ist der vier Meter lange Eibenholz-Stammtisch, an dem bis zu zwölf Gäste Platz finden. Hier sitzen Hotelgäste, aber ebenso häufig Sylterinnen und Sylter, die die besondere Atmosphäre schätzen.
Kulinarisch verbindet Küchenchef Denis Brühl klassische Gerichte mit frischen Ideen. Die Küche ist kreativ, modern, mit saisonalen und regionalen Akzenten – und bewusst nachhaltig gedacht. Das Haus unterstützt die Aktion Click a Tree: Für jedes ausgewählte Gericht spenden Gäste und Landhaus gemeinsam fünf Euro, was im vergangenen Jahr fast 500 neue Bäume ermöglicht hat.
Das Ergebnis: eine gehobene, aber bodenständige Küche, bei der Nachhaltigkeit, Regionalität und Genuss kein Widerspruch sind – im Gegenteil.
Ein Abend im SIEBZEHN84
Es ist Samstag, 17:30 Uhr. Wieder werden wir von Hoteldirektor Florian Leisentritt charmant zu Tisch begleitet. Standesgemäß starten wir mit einem Glas Rosé Brut Champagner von Laurent-Perrier – eine kleine Tradition.
Wir entscheiden uns diesmal für ein 4-Gänge-Menü. Begleitet wird der Abend von einem Wein, der uns schon am Vortag im Bodendorf’s begeistert hat: dem Künstler 2022 Spätlese Pfaffenberg Monopol Rheingau VDP Große Lage.
Vorspeisen
Eingelegte Bete | Bunte Möhre | Petersilien-Couscous | Senfsaat | Kräuter-Vinaigrette (vegan)
Als leichter Auftakt überzeugt diese Vorspeise mit erdiger Süße der Bete und zart-frischen Aromen bunter Möhren. Die frische Kräuter-Vinaigrette verbindet alles zu einem lebendigen, ausgewogenen Gesamteindruck – leicht und in perfekter Balance zwischen Frische, Erdigkeit und Würze.
Geflämmter Teriyaki-Lachs | Gerösteter Blumenkohl | Chili | Junger Lauch | Sesam
Der zarte, leicht geflämmte Lachs überzeugt mit seiner typischen Teriyaki-Süße und feiner Rauchnote. Toll dazu der nussig-röstige Blumenkohl. Ich liebe Sesam, der auch hier feine, leicht erdige Knackigkeit beisteuert – eine harmonische Kombination aus süß, würzig, frisch und mild pikant.
Suppen
Ich habe mich wieder für eine vegane Variante entschieden:
Melonen-Gurken-Gazpacho | Basilikum-Mayonnaise | Tomaten-Chili-Confit | Brotchip mit Ziegenfrischkäse-Praline
Die Gazpacho war angenehm leicht, erfrischend und sommerlich-fruchtig. Besonders gelungen: die feine Würze durch das Tomaten-Chili-Confit und die cremige Frische der Basilikum-Mayonnaise. Die Ziegenfrischkäse-Praline sorgte für einen würzig-cremigen Kontrast – ein spielerisches, sehr stimmiges Zwischengericht. Und mal ehrlich: ist die zarte grüne Farbe nicht wunderschön?
Aufgeschlagene Hummersuppe | Iberische Schweineschulter-Praline | Safranfenchel | Estragonöl
Auf Empfehlung von Restaurantleiterin Nicole Leipold, die uns auch an diesem Abend mit ihrer fürsorglichen Art begleitete, entschieden wir uns zusätzlich für diese Suppe. Eine Wahl, die sich absolut lohnte: wunderbar cremig, intensiv im Geschmack und dabei fein ausbalanciert. Die Schweineschulter-Praline brachte eine überraschend herzhafte Note – ein rundes, aromatisches Erlebnis, das ich mir immer wieder bestellen würde.
Hauptgerichte
Krosse Entenbrust | Rahmkohlrabi | Eingelegte Zwetschgen | Kartoffelkrapfen | Leichte Pfeffersauce
Meine Begleitung entschied sich für dieses Gericht. Schon nach dem ersten Bissen kam das spontane Urteil: „Wie bei Papa.“ Und das ist ein großes Kompliment – denn Papa Hans kocht hervorragend. Die Entenbrust war perfekt gebraten, innen zart rosa. Die Zwetschgen setzten eine feine süß-säuerliche Note, und die leichte Pfeffersauce rundete das Ganze elegant ab. Ein Gericht, das Heimatgefühl auslöste.
Rosa gebratener Lammrücken und Praline von der Schulter | Gerösteter Blumenkohl | Orangen-Couscous | Purple-Curry-Jus
Da mir das Salzwiesenlamm vom Vortag aus dem Bodendorf’s nicht aus dem Kopf ging, steuerte ich fast automatisch wieder in diese Richtung. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erwies: Das Fleisch war auf den Punkt gegart – zart, saftig und aromatisch. Der Purple-Curry-Jus band alles elegant zusammen und gab dem Gericht Tiefe und Exotik. Wieder ein Lammgericht, das in Erinnerung bleibt.
Desserts
Dreierlei Sorbet | Kirsche | Apfel | Erdbeere | Aprikose | Himbeere (vegan & glutenfrei)
Fruchtig, klar und erfrischend – genau so, wie ein Sorbet sein sollte: purer, unverfälschter Geschmack in leuchtenden Farben.
Haselnuss | Birnenragout | Haselnuss-Crémaux | Salzkaramell
Dann kam das "Über-Highlight" des Abends – wieder auf Empfehlung von Nicole Leipold. Es war nicht nur geschmacklich ein Traum, sondern auch wunderschön angerichtet: eine glänzende, tropfenförmige Haselnusskreation auf knusprigem Crumble, umspielt von kleinen Tupfen heller Creme.
Die cremige, nussige Intensität der Haselnuss, getragen von feiner Röstigkeit, traf auf das fruchtige Birnenragout, das Leichtigkeit ins Spiel brachte. Das Salzkaramell spannte den Bogen zwischen Süße und Würze und machte das Ganze unwiderstehlich. Ein Dessert, so rund, tief und süchtig machend, dass ich nur sagen kann: Allein dafür würde ich jederzeit wieder ins SIEBZEHN84 zurückkehren. Ein echter Traumteller – und vermutlich ein Dessert, dem ich in Zukunft in vielen Restaurants nachjagen werde.
Miles Bar – Kunst im Glas
Und natürlich darf zum Abschluss auch die Miles Bar nicht fehlen – jener Ort, an dem kreative Drinks den Abend stilvoll abrunden. Wie im vielfach ausgezeichneten Gourmetrestaurant Bodendorf’s und im charmanten Siebzehn84 ist auch hier der Anspruch derselbe: Es geht darum, Momente zu schaffen, an die man sich gern erinnert.
Das Restaurant, benannt nach Devin Miles – einem der bedeutendsten Vertreter der Contemporary Pop-Art in Deutschland –, vereint Kunst an den Wänden mit Kunst im Glas. Ein Ort, der nicht nur optisch begeistert, sondern auch mit Atmosphäre und Charme überzeugt.
Besonders lebendig bleibt mir ein kleines Gespräch mit Holger Bodendorf in Erinnerung: Während er entspannt seinen Gin Tonic genießt, sitze ich – sehr zu seinem Entsetzen – nur mit einem Glas Wasser da. Er plaudert locker und unverblümt aus seinem Leben, erzählt Witziges, Skurriles und auch Persönliches. Genau solche Augenblicke machen die Bar so besonders. Sie ist nicht nur ein stilvoller Raum voller Kunst, sondern auch ein Ort, an dem Geschichten entstehen – kleine Anekdoten, die im Gedächtnis bleiben und die man später mit einem Lächeln weitererzählt.
Das Unsichtbare sichtbar gemacht
Was Holger Bodendorf und sein Team in beiden Restaurants erschaffen haben, lässt sich kaum in Worte fassen. Es ist diese besondere Stimmung zwischen den Gängen, zwischen dem ersten herzlichen Lächeln beim Empfang und dem letzten Schluck Espresso. Eine leise Perfektion, die sich nie in den Vordergrund drängt – und gerade deshalb so wohltuend wirkt.
Text © Verenice Wallor