The Amauris Vienna
The Amauris Vienna
Wien empfängt mich an einem Spätsommernachmittag mit strahlendem Sonnenschein und eigentlich etwas zu warmen 25 bis 30 Grad. Vor mir liegt ein nahezu perfektes Wochenende mit Sightseeing, Kunst und kulinarischem Verwöhnprogramm.
Die ideale Basis dafür befindet sich am Kärntner Ring: The Amauris Vienna liegt nur einen Schmetterlingsflug von Staatsoper, Albertina, Karlskirche, Hofburg und Stephansdom entfernt. Anfang 2023 wurde das frühere Hotel The Ring nach einer umfangreichen Neugestaltung unter neuem Namen wiedereröffnet.
Seit 2024 gehört das luxuriöse Fünfsterne-Boutiquehotel zu Relais & Châteaux, einer der exklusivsten Hotelvereinigungen der Welt. Gastfreundschaft, Esskultur und die enge Verbindung eines Hauses mit seiner Region gehören zu den zentralen Gedanken der Vereinigung. Im Amauris werden sie für mich besonders stimmig und teilweise auf angenehm subtile Weise umgesetzt.
Dass Wien hier nicht nur als attraktives Reiseziel dient, sondern tatsächlich Teil des Hotels ist, merke ich während meines Aufenthalts immer wieder: an der Verbindung historischer Architektur mit modernem Design, der österreichischen Kunst in den Restaurants, Wiener Spezialitäten auf den Speisekarten und selbst an der Musik, die mich abends in den Schlaf begleitet. Wiener Lebensart wird im Amauris nicht nur ausgestellt, sondern an vielen Stellen ganz selbstverständlich aufgegriffen und gelebt.
Das historische Gebäude
Das Gebäude entstand fast zur gleichen Zeit wie die benachbarte Staatsoper. Das frühhistoristische Eckhaus wurde 1860/61 nach Plänen der Architekten Wilhelm von Flattich und Carl Schumann als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Es gehörte damit zu den ersten repräsentativen Gebäuden an der damals neu entstehenden Ringstraße.
Erst seit 2007 empfängt das Haus internationale Gäste als Hotel. Zunächst unter dem Namen The Ring, seit der umfassenden Neugestaltung als The Amauris Vienna. Wer sich alte Bilder des Vorgängerhotels anschaut, erkennt schnell: Hier wurde nicht lediglich ein wenig nachgebessert. Das historische Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert hat ein vollständig neues Innenleben erhalten. Historischer Charme, Stuck und Wiener Bautradition treffen auf modernes Interior, außergewöhnliche Lichtgestaltung – und jede Menge feinsten Marmor.
Die Eingangstüren öffnen sich, und bereits die Lobby beeindruckt mich. Heller Marmor glänzt auf dem Boden und auf dem Tisch der geschwungenen Rezeption. Darauf steht ein riesiges Blumenbouquet, dahinter verleihen schwarz-weiße Wandvertäfelungen aus Holz der Lobby einen klassisch-eleganten Rahmen. Und ein historischer Aufzug mit außergewöhnlicher Lichtinstallation zieht sofort meine Aufmerksamkeit auf sich.
Hier checkt man gerne ein – und bedeutend weniger gerne wieder aus.
160 Tonnen Marmor, fünf Stufen und fünf Sterne
Insgesamt wurden im Fünfsternehotel The Amauris Vienna unglaubliche 160 Tonnen Marmor verbaut. Das klingt gewaltig und sieht auch entsprechend eindrucksvoll aus. Und ja, es sind Tonnen, nicht Kilogramm. Sie haben sich nicht verlesen. Ich habe das auch noch einmal nachgefragt bei meiner kleinen Führung durchs Hotel, weil ich darüber auch gestolpert bin.
Carrara Bianco, Calacatta Viola, Guatemala Verde, Nero Marquina und Rosso Levanto ziehen sich in unterschiedlichen Farben und Maserungen durch das gesamte Hotel und verleihen Lobby, Zimmern und Restaurant eine ganz besondere Aura.
Blickt man sich in der Lobby ein wenig um, entdeckt man ein etwas verstecktes und zugleich ziemlich cooles Detail: Auf einem Treppenaufgang werden auf den ersten Stufen alle fünf im Hotel verwendeten Marmorsorten und Farben direkt übereinander präsentiert. Mir gefällt diese clevere Inszenierung sehr, die eindrucksvoll zeigt, wie vielfältig, kontrastreich und ausdrucksstark der Marmor wirkt.
Zusätzlich verleiht er dem gesamten Haus Glanz und pure Eleganz, bleibt aber nicht die einzige Attraktion. Dunkle Möbel, schwarze Konturen und auffällige Leuchten setzen klare Akzente. Immer wieder werden moderne Details ganz selbstverständlich in den klassischen Bau eingefügt. Genau diese Verbindung macht das Amauris für mich so spannend.
Schon der Weg zum Zimmer hält die nächste kleine Überraschung bereit. Die mit Marmor verkleideten Zimmertüren bringen jeweils stattliche 150 Kilogramm auf die Waage – und besitzen keine sichtbare Klinke. Erst als ich die Zimmerkarte an das Lesegerät halte, springt ein kleiner Knauf aus der schweren Tür, um sie zu öffnen.
Im Zimmer folgt die Fortsetzung: Auf Knopfdruck fährt die Kaffeemaschine bei Bedarf aus einem Schrank herauf.
Wie bei mancher Kunst muss auch hier nicht alles einen tieferen Sinn haben: Die kleinen Gimmicks verleihen dem Zimmer und dem Hotel einfach einen besonderen Touch – und bringen mich zusätzlich zum Schmunzeln.
Eins meiner persönlichen Highlights fährt noch selbst
Eins meiner Lieblingsdetails des Amauris wartet im Treppenhaus und befördert mich trotz seines beträchtlichen Alters immer wieder zu meinem Zimmer und zurück.
Es ist ein historischer Aufzug, der bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert in Betrieb genommen wurde. Die Holzkabine, die Fliesen, die Treppenanlage und die kunstvolle gusseiserne Verkleidung stammen ebenfalls aus dieser Zeit.
Der Aufzug allein wäre schon sehenswert. Seine volle Wirkung entfaltet er jedoch im Zusammenspiel mit der geschwungenen Lichtinstallation im Hintergrund, die sich über mehrere Etagen fortsetzt. Vorne das schwarze Gusseisen mit seinen verspielten historischen Ornamenten, dahinter die klaren weißen Lichtlinien der Gegenwart: Für mich ist das eine der am besten gelungenen Verbindungen von Alt und Neu im gesamten Hotel.
Eigentlich möchte ich den Aufzug den ganzen Tag anschauen und mit ihm rauf- und runterfahren. Dafür warten in Wien und im Hotel allerdings zu viele weitere Entdeckungen. Trotzdem nehme ich für den Weg aus dem zweiten Stock hier immer den Aufzug, wo ich in anderen Hotels eher die Treppe bevorzugen würde.
Mein Zimmer: Viel Raum, hohe Decken und einige technische Rätsel
Die 45 Zimmer und 17 Suiten greifen die Ästhetik des Hauses mit hohen Decken, Stuck, Marmor und dunklen Farbakzenten auf. Je nach Kategorie kommen kräftige Blau-, Grün- oder Rottöne hinzu. Einige Suiten erstrecken sich sogar über zwei Etagen. Andere bieten etwas, das selbst an dieser Adresse besonders ist: einen Blick aus dem Fenster auf die Wiener Staatsoper.
Die Ästhetik der Zimmer lebt nicht allein von Marmor, Stuck und kräftigen Farben. Der kroatische Innenarchitekt Nikola Arambašić kombiniert moderne Leuchten von Flos und Serge Mouille mit Möbeln und Designobjekten von Vitra, Minotti und Potocco. Bücher, Magazine, Kunstwerke und sorgfältig ausgewählte Einzelstücke sorgen dafür, dass die Räume trotz des durchgängigen Gestaltungskonzepts nicht austauschbar wirken.
Mein großes Zimmer beeindruckt mich ebenfalls vom ersten Moment an. Das riesige Bett steht unter einer Stuckdecke und wird von einem hohen, schwarzen Rahmen eingefasst. Ein tiefblaues Sofa, schwarze Marmornachttische, dunkle Spiegel und ein großes Wandbild setzen kräftige Akzente. Dazwischen sorgen heller Marmor und cremefarbene Flächen für Ruhe.
Über dem Bett schwebt eine filigrane, mobileartige Pendelleuchte. Mit ihren geschwungenen schwarzen Linien und leuchtenden weißen Kugeln übersetzt sie den klassischen Kronleuchter in eine moderne, reduzierte Form. Genau darin zeigt sich erneut die Idee des Hauses: Traditionelle Elemente werden nicht einfach kopiert, sondern auf subtile Weise durch modernes Interior ersetzt.
Die hellen und dunklen Elemente, das tiefe Blau, der schwarze Marmor und das übergroße Wandbild ergänzen sich nahezu perfekt. Edel, reduziert und dennoch sehr ausdrucksstark: genau meine Farben und mein bevorzugter Stil.
Auf dem Tisch warten zahlreiche Begrüßungsgesten: frisches Obst, ein kleiner Mohnkuchen und Pralinen, von denen einige den ersten Abend nicht mehr erleben. Dazu kommt eine persönliche Karte von Hoteldirektor Mike Faber. Am Abend wird außerdem Tee ans Bett gestellt. Kleine Aufmerksamkeiten, die den Aufenthalt vom ersten Moment an persönlicher gestalten.
Das Doppelbett ist überdurchschnittlich groß, die Matratze vergleichsweise fest. Wer am liebsten tief in eine weiche Matratze einsinkt, wird hier zunächst einen Unterschied spüren. Unbequem ist sie aber keineswegs – nach einem langen Tag in Wien schlafe ich ausgesprochen gut darauf.
Weniger schnell als mit den Pralinen und dem kleinen Kuchen werde ich mit den Lichtschaltern warm.
Durch die hübsche historische Stuckrahmung halten die Schalter respektvollen Abstand zum Bett. Um sie im Liegen zu erreichen, muss man schon über eine beachtliche Armlänge verfügen.
Auf einigen Schaltern liegen dazu mehrere klein beschriftete Bedienfelder eng nebeneinander. Sie reagieren teilweise etwas schwerfällig und wollen ziemlich genau an der richtigen Stelle getroffen werden. Hier wird die Lichtsteuerung fast zum Memory-Spiel: Welcher Schalter war noch einmal für welches Licht zuständig? Bis man das verinnerlicht hat, ist ein kurzer Hotelaufenthalt womöglich schon wieder vorbei.
Bei Dunkelheit wird die Sache nicht einfacher, da sich die Beschriftungen dann noch weniger erkennen lassen. Vor allem nachts ist dieser Rechercheprozess etwas aufwendig – und Trial-and-Error gehört zwischen zwei Tiefschlafphasen nicht zu meinen bevorzugten Beschäftigungen. Verkraftbar, aber „Simplify“ ist nicht nur ein praktisches Motto fürs Leben, sondern für mich auch bei Lichtschaltern in Hotels.
Das zentrale Tablet zur Steuerung von Licht und Raumklima ist grundsätzlich hilfreich, zeigt bei mir am ersten Abend allerdings einige Aussetzer und startet immer wieder neu. Im Dunkeln hilft es ebenfalls nur bedingt.
Die beste Lösung für nächtliche Unternehmungen befindet sich ohnehin unter dem Bett: Sobald ich aufstehe, schaltet sich dort automatisch ein sanftes Orientierungslicht ein. Eine wirklich feine Sache – wenn man daran denkt und vorher nicht bereits sämtliche Leuchten im Zimmer aktiviert hat.
Vollständig ruhig ist es in meinem Zimmer zur Ringstraße leider nicht. Aus der Lüftung bleibt ein leiser, aber dauerhafter Luftstrom hörbar, der sich nicht ganz abstellen lässt. Zumindest finde ich keine Möglichkeit. Meine möglicherweise noch ausbaufähigen Fähigkeiten im Umgang mit dem Tablet und den Schaltern habe ich bereits beschrieben.
Hinzu kommen einige präpotente Wiener Haberer – und vielleicht auch die eine oder andere Haberin –, die noch zu später Stunde demonstrieren wollen, was ihre aufgemotzten Karren am Kärntner Ring zu leisten imstande sind. Das wirkt sich bei meinem Aufenthalt zumindest hin und wieder kurz auf meine Nachtruhe aus.
Nach einem langen Städtetrip oder einem mehrgängigen Dinner mit Weinbegleitung lässt sich darüber aber auch genüsslich hinwegschlafen. Bei den Zimmerpreisen darf dennoch erwähnt werden, dass völlige Ruhe anders klingt – und vielleicht noch einmal geprüft werden, ob sich die akustische Situation in diesem Zimmer weiter verbessern lässt.
Für deutlich angenehmere Töne steht ein hochwertiger Devialet-Lautsprecher bereit. Am Abend liegt dazu neben dem Gute-Nacht-Tee ein Kärtchen auf dem Bett, das über einen QR-Code zum „Vienna Gold Noise“ führt. Vier von goldenen Wiener Wahrzeichen inspirierte Schlaftracks mit den Stimmen der Wiener Sängerknaben und Wiener Chormädchen sollen sanft in den Schlaf begleiten – und entfalten bei mir tatsächlich eine erstaunlich beruhigende Wirkung.
Eine charmante Aufmerksamkeit, die auch das eine oder andere Geräusch im Zimmer oder von der Straße übertönt, aber auch unabhängig davon gefällt und zugleich daran erinnert, dass ich mich in Wien befinde – und nicht in einem austauschbaren Hotel irgendwo auf der Welt. Selbstverständlich lässt sich über den Lautsprecher auch die eigene Musik abspielen.
Erholung und Wellness unter dem Glasdach
Im historischen Innenhof verbirgt sich ein kleiner Wellnessbereich mit Pool. Durch das Glasdach fällt tagsüber natürliches Licht; am Abend wird der Raum in wechselnden Farben beleuchtet. Eine Gegenstromanlage, Massagedüsen und ein Wasserfall holen erstaunlich viel aus dem kompakten Becken heraus. Hinzu kommen eine finnische Sauna, ein Dampfbad, Erlebnisduschen und ein Behandlungsraum.
Während meines Aufenthalts reicht die Zeit für mich leider nicht für eine ausgiebige Runde im Spa. Nach langen Wegen durch Wien hätte ich dort allerdings ausgezeichnet ein paar müde Kilometer aus den Beinen bekommen können. Bei einem längeren Aufenthalt hätte ich diese Gelegenheit sicher genutzt.
Wien wartet direkt vor der Tür
Einer der unschlagbaren Vorteile des Amauris ist seine Lage. Zur Staatsoper sind es kaum drei Minuten. Direkt dahinter warten die Albertina, die Hofburg und das Palmenhaus im hübschen Burggarten. Gleich nebenan befindet sich außerdem das Schmetterlinghaus – eine fast schon verdächtig passende Nachbarschaft für ein Hotel, dessen Name ebenfalls auf eine Schmetterlingsgattung zurückgeht.
Bis zum Stephansdom sind es zu Fuß vielleicht zehn Minuten. Theoretisch jedenfalls. Praktisch muss man es erst einmal schaffen, an all den prächtigen Fassaden, Figuren auf den Dächern, Geschäften und Wiener Kaffeehäusern einfach vorbeizugehen.
Davon würde ich abraten. Es wäre keine vertane Zeit, unterwegs stehen zu bleiben, sondern eine vertane Gelegenheit, nur bis zum Dom zu hetzen und alles andere auszulassen.
Viele Traditionscafés im Zentrum sind inzwischen allerdings zu TikTok- und Influencer-Fallen geworden. Waren es früher ruhige Orte, an denen sich Wiener, Künstler und Intellektuelle aufhielten, trifft man dort heute vor allem Touristen und Menschen, für die das Foto oder Video manchmal wichtiger zu sein scheint als das Café und der Kuchen selbst.
Eine schöne, ruhigere Alternative bietet dagegen das Café Schwarzenberg, nur wenige Minuten vom Hotel entfernt. Zumindest an diesem Sonntagnachmittag ist es dort erstaunlich entspannt. Nur wenige Tische sind besetzt, keine Influencer*innen weit und breit. Und der einzige Gast, der unter den leicht kritischen Blicken der Belegschaft und einiger Besucher ausführlich fotografiert, bin ich.
Geht man vom Hotel in die andere Richtung, liegen dort die Albertina Modern und die Karlskirche. Während meines Besuchs zeigt die Albertina Modern eine großartige KAWS-Ausstellung, für die sich der kurze Weg allein schon lohnt.
Auch die Karlskirche sollte man sich zweimal ansehen: einmal bei Tageslicht und noch einmal nach dem Dinner, wenn ihre Fassade und die mächtigen Säulen beleuchtet werden – und kaum noch Touristen in der Gegend sind.
Naschmarkt, MuseumsQuartier, Burgtheater und Rathaus sind ebenfalls schnell erreichbar, vieles sogar zu Fuß. Wer Appetit auf einen typischen Wiener Imbiss hat, erreicht selbst den bekannten Würstelstand „Zum Scharfen René“ am Schwarzenbergplatz in kürzester Zeit.
Wenn im Hotel nicht bereits ein mehrgängiges Dinner im Glasswing Restaurant oder die österreichisch-asiatische Küche des Bistros warten würden, die ich vermutlich nicht nur bei einem Aufenthalt im The Amauris den Würsteln vorziehen würde. Selbst wenn die Wiener Würstelstandkultur seit Ende 2024 zum immateriellen Kulturerbe Österreichs zählt.
Vom À-la-carte-Frühstück bis zum Glasswing
Das in dunklen Grüntönen gestaltete Glasswing Bar & Bistro bildet den legereren kulinarischen Bereich des Hauses. Mein eigentliches Hauptziel der Reise wartet jedoch nebenan: das Glasswing Restaurant by Alexandru Simon.
Auch der Name Glasswing bezeichnet eine Schmetterlingsart und führt das Motiv des Hotels damit bis in die Gastronomie fort. Die offenen Flügel werden im Logo zum gestalterischen Symbol und im Restaurant zum Versprechen, Wien kulinarisch aus einer eigenen Perspektive zu betrachten.
An den Wänden hängen Originale aus der über Generationen zusammengetragenen Kunstsammlung der Eigentümerfamilie. Ihr Schwerpunkt liegt auf österreichischen Künstlern um 1900, darunter Emil Jakob Schindler, Carl Moll und Alexander Rothaug. Die Gemälde bringen damit ein weiteres Stück Wiener Geschichte in das moderne, gemütliche Restaurant.
Doch nicht nur an den Wänden, auch auf den Tellern kommt höchste Kunst zum Vorschein. Das Glasswing wurde 2026 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und wird für mich zum kulinarischen Höhepunkt dieses Wochenendes. Zu meiner „Glasswing Experience“ und einem Ausflug mit dem äußerst sympathischen Küchenchef in die „geheime“ Schatzkammer des Restaurants gibt es deshalb einen eigenen Bericht.
Am Morgen wird im Glasswing ein abwechslungsreiches À-la-carte-Frühstück serviert. Je häufiger ich diese Form des Frühstücks erlebe, desto besser gefällt sie mir. Die Gerichte kommen frisch zubereitet aus der Küche und werden kreativ interpretiert, statt seit längerer Zeit unter einer Abdeckung auf dem Buffet zu warten.
Die Auswahl reicht von Wiener und internationalen Frühstücksklassikern bis zu leichten, gesunden Gerichten. Einer meiner Favoriten ist der Spirulina-Smoothie, den ich gleich an beiden Tagen bestelle. Auch die kleinen wechselnden (alkoholfreien) Ingwer-Shots sind ein starker Start in den Tag. Die Karte ist groß genug, um sich bei einem längeren Aufenthalt jeden Morgen neu zu entscheiden und anders verwöhnen zu lassen.
Ob beim Frühstück, Lunch oder Dinner und unabhängig davon, ob man im Glasswing oder Bistro speist: An warmen Tagen kann man auch schön draußen im Wiener Schanigarten sitzen. Frühstück, Bistrogerichte und Teile des Restaurantangebots lassen sich hier mitten im Zentrum, mit Blick in Richtung Staatsoper und dennoch etwas abgeschirmt, unter freiem Himmel genießen.
Im Glasswing Bistro kann ich bei diesem Besuch leider nur das Dessert probieren. Ich habe bereits ausgecheckt, kehre danach aber noch einmal ins Hotel zurück und gönne mir die Marillenknödel. Die gehören für mich zu dieser Jahreszeit bei jedem Wien-Besuch dazu.
Für diesen letzten süßen Gruß aus dem Amauris nehme ich den "Umweg" gerne in Kauf.
Fazit: Wiener Geschichte, modernes Design und ausgezeichnete Küche
Das The Amauris Vienna ist der perfekte Ausgangspunkt für alle, die das historische Zentrum Wiens mit seinen Sehenswürdigkeiten und der Staatsoper in Sichtweite erleben möchten, ohne dafür große Wege in Kauf nehmen zu müssen.
Gerade zum Start der Opernsaison zeigt sich, wie besonders diese Lage ist. Nach einer Vorstellung sind es nur wenige Schritte zurück ins Hotel. Gleichzeitig muss man das Haus für einen genussvollen Abend nicht einmal verlassen: Das Glasswing Restaurant, die Bar und das Bistro bieten ausgezeichnete Küche direkt unter einem Dach.
Sogar ein kleiner Pool- und Spa-Bereich gehört zum Haus und bietet vor oder nach langen Sightseeingtouren die Möglichkeit, mitten im Zentrum zur Ruhe zu kommen.
Doch das Amauris ist weit mehr als eine luxuriöse Unterkunft in besonders guter Lage. 160 Tonnen Marmor sorgen für Glanz und Eleganz. Dunkelblaue, schwarze und cremefarbene Flächen verleihen den Zimmern Stil und Tiefe. Filigrane Leuchten treffen auf historischen Stuck, moderne Lichtbänder auf einen Aufzug aus der Zeit um 1900. Immer wieder stehen Alt und Neu unmittelbar nebeneinander – und ergänzen sich dabei beeindruckend gut.
Neben meinem Zimmer und dem Restaurant bleibt mir die Lobby mit dem alten Aufzug am stärksten in Erinnerung. Seine historische Holzkabine, die schwarze gusseiserne Verkleidung und die geschwungene Lichtinstallation dahinter bringen all das zusammen, was dieses Hotel so besonders macht. Aber auch mein großzügiges Zimmer, seine besondere Ästhetik, die vielen kleinen Spielereien und Aufmerksamkeiten sowie die ausgezeichnete Kulinarik tragen dazu bei, dass der Aufenthalt weit mehr ist als eine praktische Übernachtung mitten in Wien.
Zwar überzeugt mich nicht jede technische Lösung. Die Lichtsteuerung könnte etwas intuitiver sein, die Lüftung ein wenig leiser und einige präpotente Freunde aufheulender Motoren dürften nachts gerne weniger Gas geben. Diese Kleinigkeiten am Rande ändern für mich jedoch nichts an meinem Gesamteindruck: Das Amauris ist ein großartig gestaltetes Luxus-Boutiquehotel mit einer unverwechselbaren Handschrift und einer spürbaren Verbindung zu Wien.
Der herzliche Empfang und der aufmerksame, persönliche Service des gesamten Teams haben meinen Aufenthalt vom ersten Moment bis zur Abreise besonders angenehm gestaltet.
Seinen Namen verdankt das Haus der Schmetterlingsgattung Amauris, die für Eleganz und Schönheit steht. Auch das Restaurant Glasswing (Glasschmetterling) trägt einen zarten Falter im Namen – ein passendes Sinnbild für die präzise, detailverliebte Handwerkskunst der Küche. Das Motiv begegnet einem damit gleich mehrfach und passt zur gelungenen Verbindung von Tradition und Moderne, lokaler Verankerung und internationalem Design.
Besonders gelungen ist, wie subtil das Schmetterlingsmotiv im gesamten Haus aufgegriffen wird: in den Namen, im Logo, in einzelnen Details des Restaurants, in den geschwungenen Linien der Lichtinstallationen – und vor allem in der Verwandlung des historischen Hauses selbst.
Aus dem früheren The Ring ist ein Hotel geworden, das seine Vergangenheit nicht versteckt, sondern ihr mit Marmor, Licht, ausdrucksstarkem Design und einer ausgezeichneten Küche einen beeindruckenden neuen Auftritt verschafft.