Das Landromantik Hotel Oswald im Bayerischen Wald

von Nils Hohnwald

Das Landromantik Hotel Oswald im Bayerischen Wald

Ein Hotel, in dem man einfach mal im Bett liegen bleiben kann, ohne das Gefühl zu haben, draußen etwas zu verpassen? Das klingt zunächst nicht unbedingt nach einem Kompliment. Beim Landromantik Hotel Oswald im kleinen Kaikenried ist es aber genau das. Wer hierherkommt, kommt nicht wegen einer aufregenden Metropole, spektakulärer Architektur oder einer langen Liste kultureller Sehenswürdigkeiten. Man kommt, um für ein paar Tage abzutauchen: schwimmen, essen, relaxen – und das Ganze am besten noch einmal von vorn.

Genau darin liegt für mich der Reiz des familiengeführten Wellnesshotels im Bayerischen Wald. Es folgt keinen schnellen Trends und versucht auch nicht, ein hippes Designhotel zu sein. Stattdessen setzt das Landromantik Oswald auf klassische bayerische Gemütlichkeit, viel warmes Holz, goldene Details und eine fast erstaunliche Ruhe. Das größte Argument für die Reise liegt zusätzlich einige Treppen tiefer: Oswalds Gourmetstube ist das einzige Restaurant in Niederbayern mit zwei MichelinSternen.

Vom Gasthof mit Metzgerei zum Wellnesshotel

Die Geschichte des Hauses ist eng mit der Familie Oswald verbunden. Aus einem Gasthof mit Metzgerei entstand zunächst ein kleines Sporthotel und später das heutige Wellnesshotel mit großer Spa-Landschaft.

Diese Entwicklung wird im Haus nicht nur auf einer nüchternen Zeittafel erzählt. Stammbäume, Familienfotos und Erinnerungen an mehrere Generationen tauchen immer wieder auf. Das wirkt persönlich und verstärkt den Eindruck, tatsächlich in einem bayerischen Familienhotel zu wohnen – und nicht in einem beliebigen Resort, das genauso gut an einem anderen Ort stehen könnte.

Auch stilistisch bleibt das Oswald seiner Herkunft treu. Gemusterte Tapeten, goldene Spiegelrahmen und Äpfel, kristallähnliche Lampenelemente, warme Holztöne und gemütliche Sitzbänke ergeben einen klassisch-bayerischen Mix, der eine angenehme, wohnliche Atmosphäre erzeugt.

Es wirkt dadurch etwas konservativer, aber auch ruhiger und traditionsbewusst. Gerade das dürfte viele Stammgäste ansprechen, von denen manche mehrmals im Jahr wiederkommen. Viele von ihnen verlassen die Anlage während ihres Aufenthalts kaum und genießen stattdessen die Verwöhnpension in vollen Zügen.

Kuschelsuite mit Terrasse und Badewanne mit Gartenblick

Meine Kuschelsuite passte genau zu diesem Stil: gemütlich, großzügig und von warmem Holz geprägt.

Besonders angenehm waren das extrem bequeme Bett und der direkte Zugang zum Garten - und damit auch zum großen Pool. Vor dem Zimmer lag eine private Terrasse, von der aus ich tagsüber auf die umliegenden Hügel des Bayerischen Waldes und abends in den dunklen Sternenhimmel schauen konnte. Trotz großer Sommerhitze blieb das Zimmer auch tagsüber erstaunlich kühl.

Auch das Badezimmer war ein kleines Highlight. Die Badewanne stand direkt am Fenster und bot den Blick in den Garten. Wer möchte, kann hier ein Jasminbad mit Aussicht nehmen, ohne dafür das Zimmer verlassen zu müssen. Zusammen mit der Ruhe und dem bequemen Bett entstand genau das Gefühl, das ein Wellnesswochenende haben sollte: Der Alltag war ziemlich schnell sehr weit weg.

Schwimmen und Sauna bis spät am Abend

Der große Spa- und Wellnessbereich ist neben der Gourmetstube und dem gemütlichen Zimmer der stärkste Teil des Hotels. Mehrere Pools, Saunen und Ruheräume verteilen die Gäste so gut, dass es selbst an einem sommerlichen Wochenende angenehm ruhig blieb. Im großen Schwimmbecken konnte ich entspannt meine Bahnen ziehen, im wärmeren Pool nebenan sorgten Massagedüsen für Entspannung der kurz zuvor beanspruchten Muskeln. Besonders gut gefielen mir die langen Öffnungszeiten. Einige Pools können bis 23 Uhr genutzt werden – in vielen Wellnesshotels ist bereits am frühen Abend Schluss.

Nach dem Essen habe ich immer noch einmal den Platz auf meiner Terrasse genossen, dem leisen Plätschern zugehört und auf die bunt beleuchteten Pools oder in den Sternenhimmel geschaut. An einem warmen Sommerabend braucht es tatsächlich nicht viel mehr. Wer zwischendurch doch an Sport denkt, findet auch ein kleines Gym. Das bequeme Bett und alle weiteren Annehmlichkeiten machten diesen Gedanken allerdings nicht gerade leichter.

Mariä Himmelfahrt mit Blasmusik statt asiatischen Chillout-Klängen

 

Vollständig still war mein zweiter Wellnesstag allerdings nicht. Da ich gern mit offenem Fenster schlafe, wurde ich morgens früh von einem Schuss und mit Blasmusik geweckt. Denn ich war ausgerechnet am 15. August, an Mariä Himmelfahrt, in Kaikenried. Der hohe katholische Feiertag wird hier mit einem kleinen Umzug und geselligem Zusammensein unweit des Hotels gefeiert.

Während ich mit Blick auf Pool und Garten auf meiner Liege lag, spielten vor dem Hotel Blaskapelle und Dorfmusik. Ab und zu fielen Böllerschüsse und der Duft von Bratwurst zog durch die Luft. Einen ruhigen Wellnesstag mit Lavendelduft stellt man sich vermutlich nicht ganz so vor. Ich nahm es aber mit Humor.

Außerdem fand ich diese beiläufige Portion bayerischer Folklore auch ganz nett. Reisen werden sonst schließlich beliebig, wenn überall dieselben Hotel- und Café-Ketten mit den gleichen durchgestylten Konzepten oder mit asiatischer Chillout-Musik warten. Im Landromantik Oswald merkt man dagegen genau, wo man ist.

Wer Blasmusik überhaupt nicht ausstehen kann, sollte sich den 15. August dennoch genau merken – und meiden. Bei geschlossenen Fenstern blieb es in meinem Zimmer dank sehr guter Isolierung aber auch absolut ruhig. Und das kleine Dorffest dauerte ohnehin nur wenige Stunden. An den anderen Tagen blieb es vollkommen ruhig und nur gelegentlich war eine dezente Kirchenglocke zu hören. Auch die gehört zu einem Aufenthalt in Bayern für mich dazu und hatte eher eine dörflich-beruhigende Wirkung. So war auch hier keine asiatische Klangtherapie mehr benötigt.

Zwei Michelin-Sterne als kulinarischer Höhepunkt

Der kulinarische Höhepunkt meines Aufenthalts war ohne Frage das Dinner in Oswalds Gourmetstube. Ein Zwei-Sterne-Restaurant in einem kleinen Ort in Niederbayern ist schon allein bemerkenswert – und Küchenchef Thomas Gerber machte mit seinem Menü schnell deutlich, warum die Gourmetstube diese Auszeichnung trägt. Viele Teller waren echte Eyecatcher, handwerklich außergewöhnlich präzise gearbeitet und geschmacklich beeindruckend.

Gerber verbindet eine klassisch-französische Basis mit modernen und teilweise asiatischen Akzenten. Bereits die Grüße aus der Küche zeigten die Liebe zum Detail, die sich durch den gesamten Abend zog. Blüten, Farben, unterschiedliche Texturen und ein winziges Kartoffelcroissant begleiteten Produkte wie Austern, Bluefin Tuna, Jakobsmuscheln und Lamm. Unterschiedliche Aromen und Komponenten gaben den einzelnen Gängen immer wieder eine neue Richtung. Über das vollständige Menü und meine Favoriten berichte ich in einem weiteren Beitrag ausführlich.

Was gehört zur Verwöhnpension?

Wichtig zu wissen: Das Dinner in der Gourmetstube ist nicht automatisch Bestandteil der Verwöhnpension. Zu ihr gehören Frühstück, Nachmittagsjause und das abendliche Menü im Hotelrestaurant. Wer das Erlebnis in der Gourmetstube genießen möchte, erhält bei gebuchter Verwöhnpension 30 Euro Gutschrift pro Person oder entscheidet sich am besten für eines der speziellen Arrangements, in denen das Gourmetmenü ausdrücklich enthalten ist. Z.B. bei der "Reinschmecker Auszeit ".

Abendessen

Das "reguläre" Abendessen der Verwöhnpension im “normalen” Hotelrestaurant an meinem zweiten Abend im Hotel war insgesamt gut, stand nach dem herausragenden Vorabend in der Gourmetstube allerdings vor einer schwierigen Aufgabe. Die Vorspeisen mit Bluefin Tuna-Mango und Kartoffelsüppchen gefielen mir; Hauptgang und Dessert konnten daran für meinen Geschmack dagegen nicht ganz anknüpfen. Das schmälert den kulinarischen Höhepunkt in der Gourmetstube jedoch nicht. Ganz im Gegenteil sollte man sich diesen auf keinen Fall entgehen lassen, wenn man das Landromantikhotel Oswald besucht.

Frühstück

Das Frühstück ist abwechslungsreich, wirkte in seiner Präsentation und Auswahl auf mich jedoch etwas konventioneller, als ich es in einem Hotel dieser Kategorie erwartet hätte. Mein persönliches Highlight war hier die Saftpresse. Unter anderem Gurke, Apfel, Karotte und Ingwer konnten nach eigenen Vorlieben (am besten mit einem Spritzer Zitronen-Öl) zusammengestellt und direkt selbst gepresst werden – frischer geht es nicht.

Die Weißwurst überzeugte mich dagegen weder in Konsistenz noch Geschmack vollständig. Auch die Präsentation der Eier-Speisen (wie z.B. Omelett und Pancakes) hätten etwas liebevoller sein können und der Frühstückskoch hätte aus meiner Sicht etwas aufmerksamer wirken können. Mein fertiges Omelett legte er beispielsweise einfach vor der Kochplatte ab ohne mich zu benachrichtigen obwohl ich nur zwei Meter von ihm entfernt an der Saftpresse stand. Selbst als ich kurz darauf direkt vor ihm stand, wies er mich nicht auf mein (bereits seit einiger Zeit) fertiges Omelette hin. Erst auf Nachfragen wurde mir bestätigt, dass das Omelette vor mir meins sei. Auch Pancakes wurden nicht mehr neu nachgelegt, obwohl dies von ihm anders angekündigt wurde. Auch sie brüteten wohl schon eine Weile in den großen silbernen Chafing Dishes.

Nachmittagsjause

Bei der Nachmittagsjause wurde ich gleich am ersten Tag sehr positiv von einer beeindruckenden Pilzterrine überrascht. Bei der Zwischenmahlzeit werden auch andere interessante und wechselnde Salate und Speisen angeboten. An manchen Tagen gibt es als Nachspeise auch typische Apfel- und Zwetschgen-Strudel. Wer nach dem Langschläfer-Frühstück (bis 11 Uhr) dann allerdings etwas später zur Jause erscheint, kann schon mal die Überraschung erleben, dass einige Schalen bereits leer sind, nicht mehr neu aufgefüllt werden und es auch nicht mehr alle Kuchen gibt. Das sind eher Randnotizen eines ansonsten sehr angenehmen Aufenthalts, fielen in einem Hotel dieser Kategorie aber auf.

Ruhige Lage im Bayerischen Wald

Das Landromantik Hotel Oswald liegt mitten im kleinen Kaikenried, umgeben von den sanften Hügeln des Bayerischen Waldes. Es ist ein ruhiger Ort, in dem die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein scheint. Genau das passt zum Konzept des Hotels: Viele Gäste bleiben während ihres Aufenthalts auch überwiegend im Haus und konzentrieren sich ganz auf Verwöhnpension, Pools, Saunen und die zahlreichen Ruhemöglichkeiten im großen SpaBereich.

Auch ich habe mich bei diesem Aufenthalt bewusst dafür entschieden, das Hotel kaum zu verlassen. Wer Wanderausflüge unternehmen möchte, findet dazu nette Waldwege und kleine Bachläufe in der Umgebung. Passau, Regensburg, München oder Orte in Österreich oder Tschechien sind auch in ein bis 2,5 Stunden erreichbar. Mit dem eigenen Auto bleibt man dabei deutlich flexibler.

Rückzugsort und Genussmomente im Landromantik Hotel Oswald

Sehr gemütliche Zimmer, hervorragende Betten, lange Poolzeiten, zahlreiche Relax- und Rückzugsmöglichkeiten und vor allem eine Spitzenküche in der Gourmetstube: Das Landromantik Hotel Oswald bietet viele gute Gründe für eine kurze Auszeit im Bayerischen Wald. Im Pool konnte ich mich bei meinem Besuch bei sehr sommerlichen Temperaturen gut abkühlen und entspannen – und auf der privaten Terrasse mit Blick in den Garten und auf die umliegenden Hügel fühlte sich der Alltag schnell ziemlich weit entfernt an.

Das klassisch und familiär geführte Haus versucht nicht, ein junges Designhotel zu sein. Seine Stärke liegt gerade in der Mischung aus bayerischer Gemütlichkeit, traditionellem Auftreten, sichtbarer Familiengeschichte und viel Ruhe. Besonders hervorzuheben ist natürlich die Gourmetstube: Die Zwei-Sterne-Küche von Thomas Gerber und seinem Team verfeinert das Verwöhnprogramm und hebt den gesamten Aufenthalt nicht nur kulinarisch auf ein anderes Level.

Frühstück, Nachmittagsjause und das reguläre Dinner im Hotelrestaurant erreichten stellenweise für mich leider nicht ganz dieselbe Klasse; Diese Punkte blieben jedoch Randnotizen und bestimmten nicht den Gesamteindruck.

Wer einfach einmal zwei oder drei Tage ausspannen, am Pool oder in der Badewanne liegen, gut essen und die dörfliche Ruhe genießen möchte, findet hier einen passenden Rückzugsort. Für mich ist das Landromantikhotel Oswald vor allem ein ruhig gelegenes Wellnesshotel im Bayerischen Wald: klassisch, familiengeführt und mit einer Gourmetstube, die den Aufenthalt zum besonderen Genusserlebnis macht.

Landromantik Hotel Oswald - Gourmet & SPA

Am Platzl 2

94244 Kaikenried-Teisnach

 

www.hotel-oswald.de

 

Text und Fotos © Nils Hohnwald

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